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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Unglückliche Liebe verliert am Ende ihre Tragik

18.05.2016

Warfleth Man tritt dem Müllerburschen nicht zu nahe, wenn man ihn einen romantisch verkorksten Weichling nennt. Kein Wunder, dass sich „die schöne Müllerin“, in die er sich verknallt hat, eher in den kräftigen Jägerkerl verguckt.

Aber diesmal liegt die junge Dame daneben. Denn hier schildert der Tenor Simon Bode in Franz Schuberts Müllerin-Liederzyklus Freud und Leid des wandernden Müllers in eigener packender – und anderer Art.

Bode, Mitglied des Ensembles der Oper Frankfurt, macht aus den 20 Liedern in der Konzertkirche in Warfleth (Kreis Wesermarsch) oft kleine Opernarien. Da wirkt die Stimme in der Kombination von Forte und Höhe schon mal abrupt kräftig. Aber das Große an seiner Gesangskunst ist, dass er die zwingende Intimität eines Liederzyklus’ wahrt. Gerade nach Belcanto-Anflügen gewinnt bei Bode die kippende Stimmung eine beklemmende Intensität. Wenn der Müller plötzlich „nicht weiß, wie ihm wurde“, da entwickelt der Sänger eine großartige Sensibilität für die Gefährdung des Glücks, für die Ängstlichkeit vor dem Scheitern, für die kochende Verzweiflung.

Da kann er sich auf ein fast endlos scheinendes Legato verlassen. Das Finale, „des Baches Wiegenlied“, lädt Bode nicht mit Tragik auf. Er wahrt den schlichten Liedgestus. So bleibt sein Müller nah am Leben wie selten in anderen Interpretationen.

Pianist Nicholas Rimmer ist echter Dialogpartner. Er stützt eine ganze musikalische Trilogie unter den Titel „Erstes Warflether Liederpfingsten“. Wie ausgefeilt er gestaltet, zeigt sich im Melodram „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ von Viktor Ullmann für Sprecher und Klavier von 1942. Da höre man etwa stetige Umfärbungen im dreifachen Ruf des Cornets: „Ich trage die Fahne!“ Da harmoniert er seelengleich mit Stefan Haselhoff, einem ebenso wortgewaltig schildernden wie delikat andeutenden Rezitator.

Im „Marienleben“ von Paul Hindemith haben die Hörer zum Auftakt eine große Bekanntschaft gemacht. Die Sopranistin Ania Vegry aus Hannover gestaltete sinnerfüllt den 80-minütigen Zyklus. Organisator Reinhard Rakow nennt sie im Fazit sogar „die Überraschung dieser Konzerte: Sie hat sich selbst zurückgenommen und alles ins Werk gelegt“.

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