Oldenburg - Irgendwie ist das Ganze wohl einfach ein bisschen eskaliert: Als die Theater AG des Asta der Uni Oldenburg und einige interessierte Studenten 1992 den „Verein zur Förderung des studentischen Theaters“ gründeten, dachten sie sicherlich nicht daran, ein Vierteljahrhundert später aus genau diesem Anlass zu einer Gala eingeladen zu werden. Tatsächlich feiert die Idee von damals am 21. September als Oldenburger Uni-Theater (OUT) 25-jähriges Bestehen – und das im großen Stil, mit Sektempfang, Showprogramm und warmen Worten der Prominenz aus Politik, Kultur und Medien.
Der große Bahnhof hat aber durchaus Berechtigung. „Das OUT ist in seiner Form einzigartig in der deutschen Kulturlandschaft“, sagt der Kulturbeauftragte des Studentenwerks Oldenburg, Jürgen Boese, der früher auch selbst im OUT aktiv war. „Die studentischen Theatergruppen und das Studentenwerk haben sich hier zu einer Kultur-GmbH zusammengeschlossen. Das Studentenwerk bietet den organisatorischen Rahmen und einen maßgeblichen Teil der finanziellen Mittel und stellt so die Grundlagen für die künstlerische Arbeit auf und hinter der Bühne.“ 15 000 Euro steuert das Studentenwerk bei, der Theaterverein bringt als Förderverein Mitgliedsbeiträge und Spenden in die Arbeit der GmbH ein. Diese Form ist buchstäblich ein Unikum, und zufällig heißt auch die Bühne so.
Das Uni-Theater ist keine Gruppe und hat auch kein festes Ensemble. „In der Regel funktioniert das Uni-Theater so, dass ein Student eine Idee für eine Produktion hat und dafür Mitstreiter sucht“, erklärt Boese. „Wir sorgen dafür, dass sie im Unikum proben und anschließend auch ihr Stück aufführen können. Neueinsteiger kommen jeweils zu Semesterbeginn in die offene Theaterwerkstatt des Unikums, aus deren Arbeit im folgenden Sommer eine eigene Produktion entsteht.“ Wer also an einer Aufführung mitarbeitet, gehört in diesem Moment automatisch zum OUT dazu. Pro Semester werden fünf Produktionen aufgeführt, hinzu kommen einige Einzelveranstaltungen. Bespielt werden die beiden Bühnen des Unikums sowie die KuBar an der Fachhochschule. „Generell kann das OUT aber überall auftreten“, sagt Jürgen Boese. Tatsächlich wurden etwa die ersten Produktionen unter der Leitung des damaligen Anglistik-Professors Jens-Ulrich Davids in der Aula aufgeführt, die sich allerdings als dauerhafter Spielort nur bedingt eignete. „Die Aula hat immerhin über 400 Plätze“, erläutert Boese. „Das ist für viele Aufführungen auch einfach zu groß.“ Für das „Quartett“ von Heiner Müller bildete wiederum die Tiefgarage im Uhlhornsweg die Bühne.
Große Bandbreite
Insgesamt hat das Uni-Theater in den 25 Jahren 402 Produktionen in über 1400 Aufführungen auf die Bühne gebracht. „Der Schwerpunkt ist ganz klar das Schauspiel“, sagt Boese. „Aber es gibt natürlich keine Einschränkungen.“ Das Spektrum reicht über Tanztheater bis hin zu Elektro-Lichtkunst-Performances. „Opern hatten wir noch keine“, fügt Boese hinzu. „Aber Musicals schon.“
Der kreative Freiraum, den das OUT bietet, hat in den letzten Jahren zunehmend Studenten in Workshops und eigene Produktionen gelockt. „Manchmal ist es schon Fluch und Segen zugleich, dass so viele Studenten Lust haben, Theater zu spielen“, sagt Jürgen Boese. „Mittlerweile bekommen wir pro Semester acht bis neun Anfragen, von Studenten, die etwas machen wollen. Mit fünf Produktionen, die in der Regel zwischen vier- und achtmal aufgeführt werden, sind wir aber schon voll ausgelastet. Da ist es für mich jedes Mal eine Herausforderung, alle unter einen Hut zu kriegen.“
Das ist ihm aber zumindest für das kommende Semester wieder gelungen. Das neue Programm des OUT ist zusammengestellt, die Programmhefte gerade in Druck gegangen und in den Theatergruppen laufen die Proben bereits auf Hochtouren. Mitte Oktober, pünktlich zum Start des Wintersemesters, wird das neue Programm erhältlich sein. „Zur Eröffnung der neuen Saison gibt es „Die Schöne und das Biest“, verrät Jürgen Boese jetzt schon. „Das kennen viele ja schon aus dem Kino und dem Musical, deshalb wird das bestimmt einschlagen“, ist er sicher.
