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NWZonline.de Nachrichten Kultur

LITERATUR: Unspektakuläre Lesung aus spektakulärem Roman

18.05.2006

OLDENBURG

Von Reinhard Rakow OLDENBURG - Ist das nicht verrückt? Ein sprachmächtiger Vertreter deutscher Zunge fällt bei Verlagen, Radioanstalten und sonstigen Auftraggebern wegen eines verbotenen Buches so in Ungnade, dass er, in Not geraten, eine Rolle in seinem neuen Roman öffentlich anbietet. Und der Schriftstellerkollege E. A. Richter ersteigert sie. Kaum wird das bekannt, schon ist Alban Nikolai Herbst wieder ein gefragter Mann.

Das Literaturbüro Oldenburg griff flugs zu und verpflichtete ihn: Geplant war das erste Aufeinandertreffen von Herbst und Richter, dies unter Moderation von Else Buschheuer („Riverboat“). Doch die zerstritt sich mit Herbst und sagte ab, ebenso wie Richter, der zuhause von der Treppe stürzte. So präsentierte Herbst sich ganz unspektakulär: als Vorleser aus seinem noch nicht vollendeten Roman „Argo“.

Der dritte Teil der „Anderswelt“-Trilogie, von der die Romane „Thetis“ und „Buenos Aires“ bereits veröffentlicht sind, ist wie diese ein an Volumen, Handlungsdichte und Sprachgewalt üppiges Werk. Unter den Vorzeichen einer durch Naturkatastrophen gleichsam konzentrierten Welt denkt Herbst die gegenwärtige Realität zu Ende. Mit atemberaubenden Bildern, im barockem Sprachfluss voll zwingender Rhythmik übersetzt er Jetztzeit in die künftige Anderswelt, etwa das Geschehen des 11. September in ein Attentat auf eine Brücke des imaginierten Buenos Aires. Doch Herbst kann auch anders: Zärtlich, anrührend, schlicht schildert er die Begegnung eines alten Haudegens mit seiner verstorbenen Chat-Geliebten – erzählerisch faszinierende Literatur mit einer musikalisch auf hohem Niveau durchkomponierten Sprache. Für seinen Roman „Wolpertinger oder Das Blau“ hat Herbst den Grimmelshausen-Preis erhalten, für „Thetis“ den Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar. So, wie „Argo“ sich

in Oldenburg anhörte, wird sich hoffentlich auch dafür ein Preis finden. Herbst und sein Roman hätten ihn verdient, und dem Literaturbetrieb kann man alles zutrauen, sogar, dass er hin und wieder auf Qualität setzt.

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