Oldenburg - Da kommt einer „von Hölzken auf Stöcksken“. Westfalen sagen das, wenn jemand schon Ergänzungen oder Gedankenblitze in Sätze einstreut, die er noch nicht zu Ende formuliert hat. Im Großen Haus des Staatstheaters kommt Stefan Mickisch „von Hölzken auf Stöcksken“. Beim Pianisten, Philosophen und Musikerklärer klingt das durchaus nach Methode. Richard Wagners „Rheingold“ feiert am 4. Februar in Oldenburg Premiere und stellt sich ihm folglich als Thema.

Der Oberpfälzer stochert in allen Tiefen und Untiefen zwischen dem Grund des Rheins und dem neuen Götter-Protzbau Walhall. Während er seine Gedanken also beim Reden allmählich verfertigt, kann er immer wieder ernste und unernste Abschweifungen zwischen Gedankenstrichen einfügen.

450 Einführungen in Wagners Opern hat Mickisch zwischen 1988 und 2013 in Bayreuth gehalten. Doch: „Gut, dass Wagner nicht auf Bayreuth festgelegt ist”, sagt er. Immerhin plant ja auch Oldenburg, bis 2020 den kompletten „Ring des Nibelungen“ zu schmieden.

Die zusammen 16 Stunden Musik und Bühnenschau hätte Wagner der Welt ersparen können. „Bei etwas netterer Behandlung Alberichs durch die Rheintöchter gleich am Anfang wären alle Konflikte nicht entstanden”, führt er aus. Folglich auch nicht mehr „Walküre”, „Siegfried” und „Götterdämmerung.” Ein GAU!

Wenn Mickisch am Klavier die musikalischen Charaktere erhellt, liegt in diesen präzisen Herausarbeitungen seine Stärke. Das Motiv der drei Nixen steht wirklich für naive Schönheit: „Die sehen sehr gut aus, und das hört man – und auch, dass Alberich hässlich ist.“ Obergott Wotan stellt er als besonders facettenreich heraus. Es ist erhellend, seine Fähigkeit zum Träumen in der Musik zu erkennen, seine Durchsetzungsfähigkeit als Unternehmer, sein weiträumiges Denken.

Von den fein verästelten musikalischen Charakterzeichnungen schwenkt Mickisch zu plakativen Abbildungen. Sitting Bull, den großen Indianer-Häuptling, könne man sich gut als Wotan vorstellen, Marilyn Monroe als Freya, Erdogan als Donner, Merkel als Fricka, Gysi als Loge: „Der durchschaut alles, ist selbst nicht zu durchschauen, und legt sich nicht einmal in den Tonarten fest.“ Das geht dann weiter bis zu Trump und Putin als Riesen Fafner und Fasolt. Nun ja, da ist der Erzähler wohl etwas weit weg vom „Hölzken“ gelandet.