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Bühnen Unterwegs in westlichen Gefilden

Simone Wiegand

Oldenburg - Südkorea ist weit entfernt von Deutschland. Nicht nur geografisch, auch kulturell. Was erklärt, warum sich Sungyop Hong erst einmal äußerst schüchtern und zurückhaltend auf fremdem Terrain bewegt.

Statt sich weltmännisch auf Englisch zu verständigen, sucht er den Schutz seiner Muttersprache und lässt von der reizenden, jungen Tänzerin Soo Jin Lee, die an der Tanzhochschule in Dresden studierte, übersetzen. „Manchmal verstehe ich die Tänzer hier nicht“, wundert sich Sungyop Hong lächelnd über die Oldenburger Tanzcompagnie. „Anstatt meine Anweisungen einfach zu respektieren, wollen sie immer alles ausdiskutieren.“

In New York umjubelt

Das ist für einen wie Sungyop Hong, der in Südkorea als Tänzer und Choreograf ein gefeiertes Ausnahmetalent ist, erst einmal gewöhnungsbedürftig. Seine Karriere verlief außergewöhnlich steil.

Sungyop Hong, 1962 in Daegu geboren, hatte sich bereits für einen Ingenieur-Studiengang eingeschrieben, als er seine Leidenschaft für zeitgenössischen Tanz entdeckte. Also nahm er, so oft es ging, Unterricht und gewann zwei Jahre später im Alter von 22 Jahren seinen ersten Preis. Er wurde als bester Tänzer beim Koreanischen Tanzfestival gefeiert und war drei Jahre lang Mitglied der Universal Ballet Company, bevor er 1993 seine eigene Compagnie „Dance Theatre ON“ gründete.

Mit ihr erregte Sungyop Hong im Jahr 2000 bei einem angesehenen Tanzfestival in Frankreich internationale Aufmerksamkeit. Als bisheriger Höhepunkt seiner Karriere dürfte die Ernennung zum künstlerischen Leiter der Korean National Contemporary Dance Company gelten.

Bühnenbild steht fest

Seine Choreografien während seiner dreijährigen Amtszeit, die jüngst endete, wurden in New York ebenso umjubelt wie diesen Sommer in Berlin.

Niemals zuvor entwickelte der Südkoreaner allerdings eine Choreografie für ein ausländisches Ensemble wie die Oldenburger Compagnie. 100 Tage weilt er dafür in der Huntestadt und lässt all sein Wissen und seine Erfahrung in die Uraufführung „Was sie bewegt“ fließen, zu sehen ab 8. November im Staatstheater.

In Korea, erzählt er, engagiere man für jede Choreografie ganz neue Tänzer. So werden einerseits ständig neue Talente entdeckt, andererseits werden die besten Tänzer für das jeweilige Stück gefunden. „Hier dagegen ist alles vorbereitet“, staunt Sungyop Hong. „Es gibt nicht nur ein eingespieltes Tanzensemble. Sogar das Bühnenbild steht schon fest!“

Vertrautes Gebiet

Und dann sind da ja auch noch diese selbstbewussten Tänzer, die ihren eigenen Kopf haben und immer alles ganz genau wissen wollen. „Ich zeige ihnen lieber, was ich meine“, erklärt Sungyop Hong und taucht ein in die mentale Welt von „Chi“, dem menschlichen Energiefluss. Sein Gesicht hellt sich auf. Er atmet, lächelt – und betritt vertrautes Gebiet.

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