Leipzig/Oldenburg - Zu Beginn das Geständnis: Ich halte nichts von der Darstellerin der Kommissarin Charlotte Lindholm.
Maria Furtwängler spielt die Rolle wie eingefroren. Sie trägt die Nase zu hoch. Ihr näseliges Stimmchen überzeugt nicht. Ihre Mimik ist steinern, ihr Blick langweilt mich, ihre Erscheinung wirkt stocksteif.
Leider ist der NDR völlig anderer Meinung und hat ausgerechnet Maria Furtwängler zusammen mit Axel Milberg, also Ermittler aus Hannover und Kiel, in den 1000. „Tatort“ geschickt.
„Taxi nach Leipzig“ hieß am 29. November 1970 der erste „Tatort“ überhaupt, „Taxi nach Leipzig“ heißt der 1000. Krimi der Reihe (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD). Der von 2016 ist quietschbunt, kennt Rückblenden, Zeitlupe, auch mal Farbfilter, musikalische Stilwechsel, Stimmen aus dem Off und innere Monologe sowie strukturierende Texteinblendungen.
Eine lange Fahrt
Macht das schon einen guten Krimi aus? Nein, natürlich nicht. Die Hauptgeschichte spielt in nur einer Nacht und sperrt die beiden Kommissare zufällig nach einem Polizeiseminar in Braunschweig gemeinsam in das Taxi des Ex-Elitesoldaten Rainald, vorzüglich gespielt von Florian Bartholomäi. Der Psychopath sieht Rot und macht wenigstens einen Teil des Krimis zu einem akzeptablen Krimi: Nicht der Schatten des Bösen, sondern die Finsternis des abgrundtief Verletzten schaut uns mit dem Kämpfer an.
Bartholomäi agiert als tragische Figur – cool, hart, klug, kalt. Er ist, wenn man an viele „Tatorte“ denkt, ein ganz ordentlicher Sonntagsmörder. Und während wir sehen, wie er Geiseln nimmt, sortiert sich langsam auf der Fahrt eine Geschichte, die sich sogar in gruseligen Momenten versucht.
Die Betonung liegt auf Versuch, wenn man etwa in dunkler Scheune hilflos auf den Verbrecher wartet und das Käuzchen rufen hört. Kitschiger geht es kaum.
Natürlich muss die Lindholm auf der langen Fahrt in den Osten die nervigsten Fragen an den Geiselnehmer stellen. Mit dem Charme einer Planierraupe horcht sie den armen Kerl aus. Man würde glatt verstehen, wenn der Geiselnehmer schießen würde, aber ein parlierender Borowski (Milberg) beschwichtigt leider, so gut er kann.
Viel zu wenige überraschende Wendungen in der Handlung unterbrechen die sehr ausrechenbaren Dialoge. Meist hat man den Eindruck, die Regie von Alexander Adolph (der auch die Vorlage lieferte) hätte aus der Kammerspiel-Atmosphäre, die eine lange Taxifahrt bietet (das Auto wurde extra an drei Seiten aufgesägt!), viel mehr machen können. Hat sie aber nicht. Die Bildsprache ist dann insgesamt ohnehin eher traditionell angelegt.
Den Schluss verraten wir nicht, weil da sowieso nicht viel zu verraten ist. Nur dass er nicht sonderlich überzeugt. Positiv zu erwähnen ist indes, dass man den 1000. „Tatort“ nicht verwitzelte oder mit laschen Ermittlungsgequassel füllte. Was ja auch gern mal geschieht.
Wortloser Kneipengast
In die Geschichte integriert sind mit kurzen Auftritten „Tatort“-Kommissare in Rente wie Karin Anselm, Peter Hallwachs oder Günter Lamprecht. Friedhelm Werremeier, der Autor des ersten „Tatorts“, markiert wortlos einen Kneipengast.
Der Krimi erreicht trotzdem keine Spielfilmqualität. Er ist nur ein bisschen besser als andere „Tatorte“ – wozu nicht viel gehört, weil es längst viel zu viele Städte mit zu vielen Ermittlern gibt. Eine davon ist übrigens eine gewisse Charlotte Lindholm.
