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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Urenkelin führt diesmal selbst Regie

17.07.2015

Bayreuth Ohne Aufgeregtheiten und Gerüchte wären die Bayreuther Festspiele fast langweilig. Das Repertoire ist eng (Richard Wagners zehn letzte Opern, sonst nichts), die Aufführungsstätte (das Festspielhaus) lässt wenig Extravaganzen zu, die Gästeliste zur Eröffnung birgt keine großen Überraschungen: Bundeskanzlerin Angela Merkel kommt, wie meistens.

Gerüchteküche brodelt

Haus Wahnfried öffnet wieder

Die Bayreuther Festspiele werden am 25. Juli eröffnet und dauern bis zum 28. August.

Das Haus Wahnfried mit dem Richard-Wagner-Museum wird wiedereröffnet. Es wurde für rund 20 Millionen Euro gründlich saniert. Zusätzlich wurde ein Neubau errichtet und das Ausstellungskonzept überarbeitet.

Nebenan im Siegfried-Wagner-Haus widmet sich die Dauerausstellung der engen Verbindung zwischen Bayreuth und der NS-Diktatur und den persönlichen Beziehungen der Familie Wagner zu Adolf Hitler.

www.bayreuth.de

Aber rund um den Grünen Hügel brodelt vom Frühsommer an verlässlich die Gerüchteküche, wird über Streit geraunt, über Skandale. Über ein angebliches Hügelverbot für Co-Chefin Eva Wagner-Pasquier, die die Festspielleitung von September an ihrer Halbschwester Katharina überlässt, ist zumindest kurz vorher nichts mehr zu hören.

Dabei sind eigentlich auch die Fakten in diesem Jahr spannend genug: Festivalchefin Katharina Wagner selbst wird nämlich die Eröffnungspremiere „Tristan und Isolde“ am 25. Juli inszenieren.

Im Jahr 2007 hat sie als Regisseurin am Grünen Hügel debütiert, damals leitete ihr Vater Wolfgang noch die Festspiele. Ihre Version der Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“ wurde heftig ausgebuht und von den Kritikern meist als „so lala“ bewertet. Einige weitere Regiearbeiten hat die 37-Jährige zwar schon vorzuweisen – doch der ganz große Durchbruch als Regisseurin ist ihr noch nicht gelungen. Vielleicht klappt es ja mit Uropas „Tristan und Isolde“?

Ihr zur Seite steht ein enger Vertrauter am Pult des Festspielorchesters: Christian Thielemann gilt schon seit einigen Jahren als wichtigster Dirigent des Hauses, doch nun hat er einen Titel dazubekommen. Er darf sich Musikdirektor der Bayreuther Festspiele nennen. Er wird im künstlerischen Bereich – etwa bei der Sängerbesetzung – womöglich Aufgaben übernehmen, die bisher Wagner-Pasquier innehatte.

„Es geht jetzt nicht um einen Orchester- oder Choraufpasser oder gar um einen Musikdirektor, der keine anderen Dirigenten ranlässt, was ja die große Befürchtung dann immer ist“, sagte Thielemann kürzlich dem Radiosender BR-Klassik. „So eine Position ist dazu da, um das Handwerk ein bisschen zu vermitteln.“

Das bedeute nicht, dass er sich in Produktionen einmische, in denen er nicht selbst dirigiere. Aber er gebe gern seine Erfahrungen weiter: „Bayreuth ist mir einfach ein Herzensanliegen geworden.“

Dabei ist die Konstellation der diesjährigen Bayreuth-Dirigenten durchaus heikel: Kirill Petrenko wird noch einmal die Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ dirigieren, ehe er diese Aufgabe für 2016 abgibt. Petrenko ist kürzlich von den Berliner Philharmonikern zum künftigen Chef gewählt worden.

Und dann meldete sich der als äußerst schweigsam geltende Petrenko ausgerechnet in Sachen Bayreuth sehr deutlich zu Wort – als nämlich die Gerüchte um Wagner-Pasquier publik wurden und Lance Ryan seine Rolle als Siegfried verlor. Tenor des gebürtigen Russen Petrenko: Er vermisse die Menschlichkeit in Bayreuth. Zudem kritisierte er die verkürzte Probenzeit.

Dirigent verstimmt

Die Verstimmung Petrenkos war aus jeder Zeile seines Statements zu lesen. Und Thielemann? Dementiert jeden Streit und jeden Konflikt: „Es gibt weder einen Krach zwischen Sängerinnen und Sängern noch zwischen Dirigenten. Wir sitzen gemeinsam in der Kantine.“

Dubios bleibt auch die Umbesetzung der weiblichen Titelpartie in „Tristan und Isolde“ nur etwa einen Monat vor der Premiere. Anja Kampe gab ihre Rolle als Isolde zurück, Evelyn Herlitzius springt ein. Über Gründe für Kampes Schritt habe man Stillschweigen vereinbart, betont ein Festivalsprecher.

Das lässt natürlich wieder Raum für Spekulationen und Gerüchte – wie man es kennt in Bayreuth, kurz vor dem ersten Akt.

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