Ganderkesee - Eher ungewöhnlich war die Performance, die Techno-Künstlerin Danielle de Picciotto im Kulturhaus Müller in Ganderkesee bot. Die 50-jährige Autorin, Mitbegründerin der Love-Parade, stellte am Mittwochabend vor gut 40 Zuschauern ihr Tagebuch „We Are Gypsies Now“ vor.
Die einstige Wahlberlinerin war auf Wunsch der Künstlerin Sabine Wewer eingeladen worden. „Ich bekam ihr außergewöhnliches Buch bei einer Ausstellung in Syke geschenkt“, berichtete Wewer, „seitdem wollte ich sie unbedingt kennenlernen und quasi die große Welt aufs Land holen.“ Ein Interview mit de Picciotto sei zudem eine gute Ergänzung ihrer Ausstellung „Unterholz“ im Haus Müller. Hier zeigt Wewer 30 ihrer Arbeiten, die in den vergangenen Jahren entstanden sind.
In einer eher düsteren Atmosphäre berichtet de Picciotto wie es ihr gelang, aus der Sackgasse aus Konventionen, Alltagstrott und finanziellen Verpflichtungen zu entkommen. „Wir sahen zu, wie die Zeit verging“, blickt die US-Amerikanerin auf das alte Leben mit Avantgardist Alexander Hacke („Einstürzende Neubauten“) im gemeinsamen Haus in Berlin zurück. Den Tag verbrachte das Paar vorm Fernseher, die Nacht in Szenelokalen.
Ihren Auftritt garniert die Künstlerin mit den Zeichnungen aus ihrem reich illustrierten Tagebuch, in der Kulturbranche als „Graphic Diary“ bekannt. Zu Videosequenzen spielt sie Geige. Den Ausbruch aus dem Käfig drückt die selbst ernannte Nomadin mit Zeilen wie „Das innere Organ ist frei“, „Das alte Haus ist abgebrannt“ oder „Der morsche Ast ist abgesägt, er brennt jetzt auf dem Müll“ aus. Für Amüsement sorgen eher kleine Details: So bekennt die Künstlerin, dass sie Vampire mag und eine Knoblauch-Allergie hat. Sie liebt es, unterwegs im Reisemobil zu turnen. Witzig auch die Geschichte vom Turiner Musikagenten Enrico, der Skandale liebt.
Höhepunkt des Auftritts ist das Video von einer Session mit Ehemann Alexander in der Wüste. Der Blickwinkel ist verändert, Düsternis der Heiterkeit und dem Licht gewichen. „Nichts ist mehr wie vor fünf Jahren“, sagt sie. Unter den Zuschauern sind auch Schülerinnen und Schüler des Kunst-Leistungskurses am Gymnasium Ganderkesee unter der Leitung von Anna Faigle und Nils Kotulla. Sie diskutieren am Ende eifrig. „Außergewöhnlich“, beurteilt Vanessa Lamm (17) den Auftritt von Danielle de Picciotto. „Die Geige war toll“, meint Maximilian Harms (17), „der Gesang nicht mein Fall.“
