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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Deportation in Friesland: Vareler Juden ereilte grausames Schicksal

22.10.2021

Varel Was sich heute vor 80 Jahren in der Schüttingstraße 13 in Varel im Detail abspielte, welche menschlichen Schicksale damals im „Weinberghaus“ besiegelt wurden, welche Ängste die jüdischen Bewohner dort in ihren letzten Stunden in Friesland umgetrieben haben, lässt sich nur schwer erahnen. Zu grausam, zu unmenschlich war die Verfolgung durch die Nationalsozialisten.

Die Verschleppung

Das Weinberghaus als Graphic Novel

„Das Weinberghaus. Vom Ende des jüdischen Lebens in Varel“ heißt die Graphic Novel – eine Art gezeichneter Roman. Die Zeichnungen fertigte der Künstler Gerald Chmielewski. Der Historiker Holger Frerichs lieferte den Text. Erschienen ist das 28-seitige Büchlein im Isensee-Verlag in Oldenburg.

Das Buch kostet 7,80 Euro und kann über den Verlag Isensee bezogen werden – Schulen können auch im Klassensatz bestellen.

Informationen zum Weinberghaus in Varel und zum Leben der Familie gibt es im Internet unter

    www.weinberghaus.eu

Am 22. Oktober 1941 verschleppten die Nationalsozialisten sechs der acht Bewohner des jüdischen Altenheims in Varel über Emden und Berlin ins Ghetto Lodz, darunter auch die Besitzer – die Geschwister Jette und Ernst Weinberg. Fünf der sechs Deportierten starben in den folgenden Monaten an Hunger und Entkräftung. Die letzte Überlebende, Mathilde Eichhold, wurde im Zuge des ersten „Aussiedungstransports“ reichsdeutscher Juden am 4. Mai 1942 von Lodz ins Vernichtungslager Chelmno (Kulmhof) geschafft. Dort wurde sie in einem Gaswagen ermordet.

Die Vernichtung

Im Juli 1942 verschleppten die Nationalsozialisten weitere 23 Bewohnerinnen und Bewohner des Vareler Altenheims ins Ghetto Theresienstadt. 16 starben dort, die sieben Verbliebenen wurden in den Gaskammern des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau hingerichtet. „Im Juli 1942 erklärte die Gestapo Wilhelmshaven ihren Zuständigkeitsbereich Oldenburg und Ostfriesland als von ,kennzeichnungspflichtigen Juden gesäubert’“, erzählt der Vareler Historiker Holger Frerichs, der in mühevoller Recherchearbeit die Geschichte der verfolgten Vareler Juden nachgezeichnet hat und bereits 2012 unter dem Titel „Spurensuche: Das jüdische Altenheim in Varel 1937 bis 1942“ veröffentlicht hat.

Die Erinnerungsarbeit

Frerichs gehört auch zum Arbeitskreis Juden, der sich 2014 in Varel konstituiert hat, um das Gedenken an die früheren jüdischen Einwohner in Varel lebendig zu halten.

Dem Arbeitskreis ist es unter anderem gelungen, eine kleine Wohnung in dem Weinberghaus anzumieten und das Gebäude mit staatlicher Förderung sowie privaten Spenden sanieren zu lassen. Nun konnte noch eine zweite Wohnung und der Garten des Weinberghauses übernommen werden.

Vor allem die Bildungsarbeit mit Jugendlichen ist dem Arbeitskreis eine Herzensangelegenheit – über möglichst verschiedene Ansätze will man junge Menschen für das Thema sensibilisieren. Einer davon ist die grafische Novelle, die sogenannte Graphic Novel, eine Art gezeichneter Roman. Dem Arbeitskreis gelang es, den Vareler Künstler Gerald Chmielewski dafür zu gewinnen, die Geschichte des Weinberghauses in Zeichnungen festzuhalten: „Das war für mich absolutes Neuland“, erinnert sich der Künstler.

Die Graphic Novel

Chmielewski schuf die Entwürfe und fertigte nach dem historischen Wissen über die Familie Weinberg die Zeichnungen, die Texte formulierte Holger Frerichs. „Kein einfaches Unterfangen, eine derart unmenschliche Schreckensgeschichte in Schwarz-Weiß-Illustrationen mit einem reduzierten Text wiederzugeben“, sagt Gerald Chmielewski. Der Vareler sieht in der Graphic Novel ein gelungenes Medium, um junge Menschen zu inspirieren, sich mit der Verfolgung der Juden im Dritten Reich auseinanderzusetzen: „Sie eignet sich auch, um das Thema im Kunstunterricht zu behandeln.“

Katja Lüers Redakteurin / Reportage-Redaktion
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