Varel - Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche haben für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. Die Kirche steht in der Kritik, weil sie solche Taten möglich gemacht hat. In Varel will man um jeden Preis verhindern, dass es hier zu derartigen Vorfällen kommt und hat ein Schutzkonzept erstellt.
Demnach will man sich vor allem genauer anschauen, wer da eigentlich so in der Pfarrei haupt- oder ehrenamtlich arbeitet. Bietet sich jemand für die Mitarbeit an, wird in einem persönlichen Gespräch die charakterliche Eignung abgeschätzt und das Schutzkonzept besprochen. Das Gespräch führt ein Mitglied des Pastoral-Teams oder ein langjähriger und erfahrener Ehrenamtlicher.
Außerdem muss jeder eine Präventionsschulung durchlaufen. Wie umfangreich diese Schulung ausfällt, hängt auch davon ab, wie viel Kontakt die Mitarbeiter mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen haben werden. Ferner müssen alle Mitarbeiter alle fünf Jahre ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.
Außerdem hat die „Steuerungsgruppe Prävention“ der katholischen Kirchengemeinde einen Verhaltenskodex entwickelt, der von allen Mitarbeitern unterzeichnet werden muss.
Im Verhaltenskodex ist festgeschrieben, dass insbesondere zwischen Erwachsenen und Kindern sensibel mit Körperkontakten umgegangen werden muss. Ebenfalls festgehalten ist dort, dass Kinder und Jugendliche grundsätzlich nach Geschlechtern getrennt untergebracht werden müssen, die Zimmer möglichst nur von den Betreuern und nur nach vorherigem Anklopfen und einer darauf folgenden Eintrittserlaubnis betreten werden dürfen oder auch regelmäßige Geschenke an Kinder und Jugendliche untersagt sind.
Auch die sozialen Medien spielen eine Rolle im Verhaltenskodex. Allerdings kommt die Steuerungsgruppe zu dem Schluss, dass die Mitarbeiter kaum Einfluss darauf haben, was die Kinder und Jugendlichen in diesen Medien austauschen. Sie werden aber dazu angehalten, „Respekt und Umsicht walten zu lassen“ und „strikt auf verunglimpfende Texte und entwürdigende Fotos zu verzichten“. Wer sich nicht an die Verhaltensregeln hält, kann von der Gruppe ausgeschlossen werden.
Aber was, wenn doch einmal etwas passiert?
Grenzverletzungen oder sexuelle Übergriffe können selbst beobachtet werden oder jemand erzählt von einer solchen Situation. In beiden Fällen empfiehlt der Leitfaden zunächst: Ruhe bewahren, die Situation beobachten, um durch „überlegtes Handeln“ Fehlentscheidungen zu vermeiden. Aber man sollte mit seinem Verdacht auch nicht alleine bleiben, sondern Kollegen, Leiter oder Fachberater hinzuziehen, mit denen man das weitere Vorgehen besprechen sollte.
Dann stellt sich die Frage, ob es einen sofortigen Handlungsbedarf gibt und ob sich weitere Gefährdungen ergeben. Je nach Lage sollen dann auch andere Stellen bis hin zu den Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet werden. Zudem soll jeder einzelne Schritt sorgfältig dokumentiert werden, damit diese im Falle eines Strafverfahrens nachvollzogen werden können.
Ansprechpartner gibt es auf mehreren Ebenen der Kirche. In der Pfarrei gibt es mit Helga von Essen und Jan Tiemann zwei Vertrauenspersonen. Die wiederum informieren die entsprechenden Stellen beim Bistum und externe Beratungsstellen.
„Wir sind zuversichtlich, dass die Schulungen dazu beitragen, noch stärker eine Kultur des Hinschauens, der Achtsamkeit und des Handelns in der Pfarrei zu etablieren“, schreibt die Kirchengemeinde in einer Pressemitteilung. „Es ist mit eine Aufgabe der kirchlichen Jugendarbeit, Kinder und Jugendliche stark zu machen und sie zu ermutigen, sich bei Grenzüberschreitungen selbst und schnell Hilfe zu holen.“
