Varel/Oldenburg - Das Alte Gymnasium in Oldenburg ehrt den in Varel geborenen Chemiker Lothar Meyer (1830–1895). 1851 hatte er am damaligen Gymnasium in Oldenburg sein Abitur bestanden. An seiner ehemaligen Schule wird an diesem Donnerstag, 14. November, eine Erinnerungstafel enthüllt.
Experimentalvorlesung
Der Anlass: 2019 ist von den Vereinten Nationen zum Jahr des Periodensystems erklärt worden, als dessen Mitentdecker Lothar Meyer gilt. Außerdem würdigt die Universität Oldenburg Meyer am 14. November mit einem Tag der Chemie. Um 10.45 Uhr wird Dr. Andreas Korn-Müller im Hörsaal der Chemie zum Thema „Magic Andy’s Chemie-Show: Tanz der Elemente“ sprechen (Campus Wechloy, Gebäude W3).
Die Signifikanz des Periodensystems der Elemente werde dort mit „viel Farbe, grellem Licht, einem hohen Geräuschpegel und so manchem Bukett“ zu erkennen sein, sagt Dr. Dietmar Raschke, langjähriger Chemielehrer am Alten Gymnasium.
Und am Nachmittag hält Prof. Dr. Wladimir Reschetilowski (TU Dresden) einen Vortrag („150 Jahre Periodensystem der Elemente – Ein historischer Rückblick“; 14 Uhr, Altes Gymnasium, Aula des Alten Gymnasiums, Theaterwall 11 in Oldenburg).
Das Gymnasium in Varel trägt seit 1975 den Namen Lothar Meyer. Und auch der Heimatverein Varel kümmert sich um die Erinnerung an den Naturwissenschaftler. Im Heimatmuseum am Neumarktplatz ist ein Lothar-Meyer-Raum eingerichtet, das anhand von Dokumenten und zeitgenössischen Laborgeräten einen Zugang zu dem Wissenschaftler ermöglicht.
Gefördert und zusammengestellt wurde das Lothar-Meyer-Zimmer von dem Förderverein für Kunst und Kultur Varel. Der Vareler Dr. Harald Kluge, ehemaliger Hochschullehrer für Biochemie und Klinische Chemie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, hat mit Ingrid Kästner (Uni Leipzig) eine wissenschaftliche Würdigung Lothar Meyers vorgenommen („Ein Wegbereiter der Physikalischen Chemie im 19. Jahrhundert – Julius Lothar Meyer“, Shaker Verlag Aachen 2014).
Wegbereiter der Chemie
Kluge weist darauf hin, dass Meyer und Dimitrij Mendelejew eigentlich nicht „Entdecker“ des Periodensystems seien. Beide stellten die Endglieder einer Forscherkette des 19. Jahrhunderts dar, beginnend mit Johann Wolfgang Döberaner („Triadenregel“, 1829) über John A.R. Newlands („Gesetz der Oktaven“, 1864). Auch seien Meyers Verdienste nicht zu reduzieren auf das Periodensystem.
Meyer sei als Wegbereiter der Theoretischen und damit Physikalischen Chemie zu würdigen. „Sein Hauptwerk stellt in seinen fünf kompletten Auflagen, die im Breslauer Verlag von Maruschke & Berendt erschienen sind, eindrucksvoll den Erkenntniszuwachs der Theoretischen Chemie während dieser 20 Jahre dar“, schreibt Kluge in seiner Veröffentlichung „Die modernen Theorien der Chemie” – Julius Lothar Meyer 1864“. Meyer war nach seiner Habilitation in Breslau Professor in Eberswalde, Karlsruhe und Tübingen.
Die Gedenktafel in Oldenburg hat Dr. Dietmar Raschke, mehr als 30 Jahre lang Oberstudienrat am Alten Gymnasium für Physik und Chemie, bei der Wolfgang-Johannes-Hönle-Stiftung „Kunst und Chemie“ beantragt. Sie fördert das Vorhaben ebenso wie der Ehemaligen-Verein des Alten Gymnasiums und BASF Coatings.
Der bedeutende Naturwissenschaftler Lothar Meyer gilt als Mitentdecker des Periodensystems der Elemente. Vor 150 Jahren reichte er seinen Aufsatz „Die Natur der chemischen Elemente als Funktion ihrer Atomgewichte“ in der deutschen Zeitschrift „Annalen der Chemie und Pharmazie (Liebigs Annalen)“ zur Veröffentlichung ein.
Streit um Entdeckung
Sie erschien Anfang 1870 und damit etwas später als die Veröffentlichung von Mendelejew. Der hatte 1869 unter dem Titel „Die Beziehungen zwischen den Eigenschaften der Elemente und ihren Atomgewichten“ im Journal der Russischen Physikalischen Gesellschaft zum gleichen Thema veröffentlicht.
Es folgte ein Streit, wem nun die bahnbrechende Entdeckung des Periodensystems der Elemente zuzuschreiben ist. 1882 entschied die Royal Chemical Society in London, dass beide – Meyer und Mendelejew – für ihre Ausarbeitung mit der Davy-Medaille ausgezeichnet werden sollten.
