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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Evita verzaubert Oldenburg

17.11.2014

Oldenburg Es gibt im Leben noch Sicherheiten. Etwa die, dass die Engländer jedes Elfmeterschießen in entscheidenden Fußballspielen verlieren. Oder, dass ein Theater einen Kassenschlager landet, wenn es das Musical „Evita“ auf den Spielplan setzt. 19 deutsche Häuser haben das in den vergangenen fünf Jahren unterstrichen. Andernfalls müsste die Regie alles falsch anpacken.

Fulminante Tanzeinlagen

Erik Petersen vermeidet im Staatstheater in Oldenburg nicht nur einfach Fehler. Er inszeniert im oft strikt geradeaus strebenden Genre Musical seine „Evita“ handwerklich sauber mit viel Hintersinn und unterstreicht ihn mit sinnfälligen Bildern. So feiert das Publikum im Großen Haus das Politdrama um die charismatische argentinische Präsidentengattin und Machtfrau Evita Perón und um den vielfach variierten Ohrwurm „Weine nicht um mich, Argentinien“. 19 weitere Vorstellungen sind terminiert.

Die anspruchsvolle Partitur von Tim Rice (Texte/Deutsch von Michael Kunze) und Andrew Lloyd Webber (Musik) ist vom Regisseur klug kalkuliert. Er muss im Zeitraffer von gut zwei Stunden das 33 Jahre währende Leben dieser Ikone hineinpacken, die sich als Mädchen aus der Provinz zur mächtigen Frau hoch liebte und das einfachere Volk hinter sich scharte.

Dazu legt Petersen ein hohes Tempo vor, reißt es mit Schnitten wie im Film ab und drückt neu auf die Tube. Da bricht sich die Revue Bahn mit flotten Chor-Eintritten aus den Gassen und mit fulminanten Tanzeinlagen der Ballett-Compagnie über den Tango hinaus. Die Bühne (Dirk Hofacker) verschiebt die Versatzstücke ebenso einfach wie raffiniert zwischen Ebenen und verdichtet politische und menschliche Entwicklungen.

Es bleibt Zeit und Deutlichkeit, den Bildern und Songs Hintergrund zu geben. Die ständig wechselnden Kostüme stempeln Evita nicht zur Modepuppe ab, sie unterstreichen vielmehr ihre Wandlungen. Die Jubelszenen der Perón-Anhänger in stereotypen Bildern entlarven die immer gleiche Masche der Verführung. Und wenn die nackten Füße der Frauen neckisch zum Marschtritt des Militärs wippen, dann streift das Stück die thematische Schwere ab, ohne banal zu werden. Die Schraube ist weder überdreht, noch sitzt sie zu locker.

Vor allem Anna Hofbauer (Evita) und Philipp Büttner (Che) singen, spielen und tanzen die Zwiespältigkeit ihrer Figuren. Che gibt den regimekritischen Ton vor, gleich mit dem Song „Was für ein Zirkus!“. Büttner, ein stimmlich überaus sauber und intonationssicher geführter Bariton, gestaltet die Rolle über die des objektiven Beobachters hinaus. Die Distanz zur herrschenden Clique zu wahren, über allem aber die emotionale Zuneigung zur Hauptperson flackern zu lassen, ist eine faszinierende Darstellung.

Das später wohl nachjustierte Mikrofon brockt Hofbauers Sopran in den rezitativischen Wendungen des Beginns einige spitze Höhen ein. Doch dann entfaltet sie einen hellen reinen Soubretten-Ton mit zunehmend charakteristischem Profil. Das verbindet sich glücklich mit der vielschichtigen schauspielerischen Darstellung. Da darf sie die Zustimmung herzlicher spüren als bei ihrem Auftritt als „Bachelorette“ in der RTL-Serie.

Voluminöses Ensemble

Paul Brady (ein nahbarer Juan Perón) und Nicola Amodio (als schmieriger Tenor Magaldi) füllen zwei weitere größere Rollen bestens aus. Im Einsatz ist ansonsten ein voluminöses Ensemble aus mehreren Sparten. Hoch greifen das Staatsorchester und Dirigent Jürgen Grimm. Die Musik federt in diesem Stil-Pistaccio aus Jazz, Tanzmusik, sinfonischer Wucht und Rührseligkeit und findet zu vielen feinen Differenzierungen, etwa bei den Marschtritten.


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