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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Es muss nicht immer Worpswede sein

22.08.2019

Vegesack Er liebte Landschaften. Wenn er Menschen trotzdem darin malte, was selten genug geschah, dann waren sie fast nicht als Menschen zu erkennen: nahezu gesichtslos, schemenhaft nur angedeutet, eher abstrakt als realistisch.

Es lag, erklärt die Fritz-Overbeck-Kennerin Katja Pourshirazi, gewiss nicht an mangelnder Fertigkeit. „Er liebte“, weiß die Vegesacker Museumsleiterin, „halt die Landschaft mehr als die Menschen.“ Dafür kann man, angesichts mancher Menschen, gewiss Verständnis aufbringen.

Wunderbare Himmel

Fritz Overbeck (1869– 1909), der Maler, der nur 39 Jahre alt wurde, stammt aus einem begüterten Bremer Haus. Nach dem Abitur studierte er von 1889 bis 1893 an der Düsseldorfer Kunstakademie. Seine Lehrer waren dort vor allem – neben der Natur – Eugen Dücker, Peter Janssen d. Ä., Olof Jernberg und Carl Ernst Forberg. Der Künstler Otto Modersohn überredete ihn dann, in die neue Künstlerkolonie Worpswede zu kommen. Was bis dahin, also bis 1892 entstand, zeigt nun das Overbeck-Museum in Vegesack.

Es verblüfft, wie weit der später bald berühmte Maler schon bis zu seinem 22. Lebensjahr entwickelt war. Motive fand er überwiegend auf Studienreisen, sei es in den Schwarzwald oder nach Skandinavien. Was er da malt, sieht ganz und gar nicht nach Worpswede aus: Fjorde, Schluchten, viele Steine, fließende Gewässer, Wasserfälle, Bäche, dicke Baumstämme, immer wieder Studien im dunklen Wald – Overbeck hat überwiegend draußen gemalt. Man sieht früh, was er kann, und wie er sich zielstrebig von seinen Vorbildern, vor allem von den Romantikern und der Akademiemalerei des 19. Jahrhunderts, löste, um seinen eigenen Weg zu gehen.

Etwa 50 Werke illustrieren dies auf zwei Ebenen im Overbeck-Museum, hinzu kommen 40 Arbeiten aus der Worpsweder Zeit, wo er zum beliebten Maler eines sehr norddeutschen Himmels aufstieg. Kurz bevor er in die Künstlerkolonie Worpswede wechselt, sieht man dann doch einige Motive aus Moor und Heide. Und dass der Student Overbeck immer freier wird in seinem Stil und in seinen Motiven. Und, unter uns gesagt, auch besser. Da schadet es auch nicht, dass er Dörfer gründlich von Menschen leerfegt oder nur eine einsame Frau andeutungsweise, fast holzschnittartig in einen dunklen Wald stapfen lässt. Die Natur blieb ihm ein Leben lang wichtiger.

Malen nach Zahlen

Manches Ölbild hat einen nahezu kuriosen Hintergrund. So malte Overbeck bereits 1891 einen „Mond überm Fjord“, den er erst ein Jahr später bei einer Reise aufsuchte. Das Bild „Mond über Bergkuppe“ ist dagegen völlig unfertig, der Maler hat den unteren Teil nicht zu Ende gemalt, lediglich ein paar grobe Pinselstriche erkennt man. Das Museum hat das Bild trotzdem aufgehängt, und es ist spannend zu sehen, wie Overbeck vorging.

Dem Haus ist es gelungen, die allererste Arbeit des Künstlers aufzustöbern. Der gerade mal 16-jährige Schüler Fritz schuf das kleine Ölbild „Rotes Fachwerk zwischen grünen Bäumen“ 1886 – herrlich ungelenk, mit schrägen Perspektiven, komischen Proportionen und wie nach Zahlen gemalt. Passend und ergänzend dazu zeigt man auf dem anderen Stockwerk das letzte überhaupt von Overbeck gemalte Ölbild. Dass großformatige Werk stammt aus dem Todesjahr 1909, und es ist ganz der Gegenpol zum Frühwerk, ausgereift, kräftig, sicher gemalt, motivisch in Worpswede angesiedelt und äußerst sehenswert. Natürlich sind auch da keine Menschen zu sehen, sondern eine moorige, pure, klare, schöne Landschaft, die nur ein Mann herausragend malen konnte, der die Natur liebte.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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