Vegesack/Lemwerder - Vor 90 Jahren überquerte die Junkers W 37 mit Namen „Bremen“ den Atlantik erstmals in Ost-West-Richtung, vor 80 Jahren flog die VFW Condor erstmals nonstop von Berlin nach New York. 60 Jahre ist es her, dass der von Henrich Focke und Borgward entwickelte Hubschrauber „Kolibri“ seinen Erstflug absolvierte, und im April vor 50 Jahren lieferte die Flugzeugwerft in Lemwerder die erste Transall-Maschine an die Bundesluftwaffe aus. „Der Erstflug der Transall vor 55 Jahren war ein großes Ereignis in Lemwerder“, sagt Klaus Gawelczyk.
Er ist in Deichshausen aufgewachsen „in Hörweite der Triebwerke“ und hat im Rechenzentrum der Vereinigten Flugtechnischen Werke (VFW) gearbeitet, die aus der Weserflug GmbH hervorgegangen sind. Seit 35 Jahren lebt er in Vegesack, ist 2. Vorsitzender des Heimat- und Museumsvereins für Vegesack und Umgebung und Kurator der Ausstellung „Von Lemwerder in die Lüfte“, die an diesem Samstag um 15 Uhr im Schloss Schönebeck eröffnet wird und bis zum 17. Juni zu sehen ist.
Die Ausstellung beleuchtet die Geschichte des Luftfahrtstandortes Lemwerder von der Gründung des Unternehmens Weserflug im Jahr 1935, über den Neubeginn 1956 bis hin zur Werksschließung im Jahr 2010. In den 1960er Jahren beschäftigte das Flugzeugwerk bis zu 2000 Menschen. Sie kamen nicht nur aus Lemwerder und der Wesermarsch, sondern auch aus Vegesack und Bremen-Nord.
Das Flugzeugwerk bestimmte den Tagesablauf in vielen Familien. „Um 12 Uhr hatte mein Vater Mittagspause, er fuhr zum Essen immer nach Hause. Das Essen musste um fünf Minuten nach 12 auf dem Tisch stehen. Das hat immer geklappt“, erzählt Franz-Peter Zistler. Der 56-Jährige ist in Lemwerder aufgewachsen, mit sieben Jahren war er zum ersten Mal auf dem Flugplatz und hat eine Ausbildung zum Flugzeugmechaniker gemacht. Der passionierte Segelflieger sammelt seit 30 Jahren alles zum Luftfahrtstandort Lemwerder.
Die Ausstellung im Schloss Schönebeck wurde erarbeitet und zusammengestellt von ehemaligen Mitarbeitern des Werks sowie Freunden der Luftfahrt in Bremen. Beteiligt waren unter anderem das im Aufbau befindliche Luftfahrt- und Technik-Museum Lemwerder, der Freundeskreis VFW 614 in Bremen und Mitglieder des 2011 aufgelösten Segelflugvereins Lemwerder.
„Das Unternehmen Weserflug und seine Nachfolger in Lemwerder haben einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der deutschen Luftfahrtindustrie geleistet“, betont Gawelczyk. Weserflug gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Entwicklungsrings Nord, bekannt als ERNO. Diese Gesellschaft lieferte 1961 den Entwurf Nummer 4, später bekannt als VFW 614. Das erste nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland entwickelte Strahlflugzeug wurde in Lemwerder gebaut. ERNO entwickelte sich zum deutschen Raumfahrtzentrum mit Weltgeltung und firmiert heute als Astrium. So gesehen, liegen auch die Wurzeln der europäischen Raumfahrtgeschichte in Lemwerder
