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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Netflix schreibt in Venedig Festivalgeschichte

10.09.2018

Venedig Es ist wie ein Ritterschlag für Netflix. Bisher galt der Streamingdienst vor allem als Anbieter für Serien. Doch Netflix produziert immer mehr Filme – und konnte beim 75. Filmfestival von Venedig nun einen enormen Erfolg feiern.

Gleich zwei Hauptpreise gingen an Netflix-Werke, darunter zum ersten Mal in der Festivalgeschichte sogar die höchste Auszeichnung für den besten Film: „Roma“ des Oscar-Preisträgers Alfonso Cuarón gewann am Samstagabend den Goldenen Löwen. Außerdem ging die Trophäe für das beste Drehbuch an die Brüder Ethan und Joel Coen für „The Ballad of Buster Scruggs“, ebenfalls von Netflix produziert.

„Roma“ ist ein vielschichtiges, wunderschön gefilmtes Werk über das Leben im Mexiko der 70er Jahre. Regisseur Cuarón fokussiert dabei auf zwei junge Frauen, die als Haushälterinnen bei einer wohlhabenden Familie leben und sich dabei auch um die Kinder kümmern. Cuarón erklärte, sein Werk sei eine Hommage an sein früheres Kindermädchen. Der Preis für den Film ist zugleich der erste Goldene Löwe für Mexiko.

So verdient die Auszeichnung aber auch ist: Sie wird den Streit um die Rolle von Netflix in der Kinowelt fortsetzen. Denn warum wird ein Film mit dem höchsten Preis eines Festivals ausgezeichnet, wenn er anschließend nur in wenigen Kinos und dafür vor allem beim Streamingdienst zu sehen sein wird?

Der zweite große Gewinner des Abends blieb wegen seines überzeugenden weiblichen Ensembles in Erinnerung: Der Grieche Yorgos Lanthimos nahm für „The Favourite“ den Großen Preis der Jury entgegen. Das Drama schaut auf das Leben der britischen Queen Anne im frühen 18. Jahrhundert. Emma Stone und Rachel Weisz spielen zwei Hofdamen, die um die Liebe der Königin buhlen.

Enttäuschend war die Bilanz für den deutschen Film. Florian Henckel von Donnersmarck hatte es mit „Werk ohne Autor“ zwar in den Wettbewerb geschafft, doch der Film ging komplett leer aus.

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