VENEDIG - In „Proof“ spielt Hopkins einen genialen Professor. Dabei nimmt er sich genauso zurück wie vor den Fans am Lido.

Von Peer Meinert

VENEDIG  - Anthony Hopkins ist alt geworden in den vergangenen Jahren. Weiße Haare, leises Lächeln, beim Filmfest in Venedig wird er ganz korrekt mit „Sir Anthony“ vorgestellt. Der Mann wirkt älter als seine 67 Jahre. Langer, langer Beifall begrüßt ihn. So viel Ehrerbietung gibt es selten am Lido. „Ich hatte eigentlich entschieden, eine Zeit lang auszusetzen“, beginnt der Schauspieler („Hannibal“, „Der menschliche Makel“) seine Rede. Doch dann habe er das Drehbuch zum Film „Proof“ gelesen, „a powerful script“ nennt er das – ein wirklich starkes Drehbuch. Regie führt John Madden, neben Hopkins spielen Gwyneth Paltrow und Jake Gyllenhaal.

Hopkins stellt darin einen Mathematikprofessor dar, einen genialen Kopf, der mit Primzahlen und ähnlich Mysteriösem hantiert, doch in den Jahren vor seinem Tod in geistige Verwirrung fällt. Genie und Wahnsinn eben, ein uraltes Thema. Dunkel und traumverhangen sind die Szenen, in denen der gestorbene Professor seiner Tochter (Paltrow) erscheint, die sein Genie für höhere Zahlenzusammenhänge geerbt hat, und sich nun mit dem Papa streitet, ob sie auch den Hang zum Wahn mitbekommen hat.

Die blonde Paltrow spielt wunderbar, aufgewühlt und reizbar, verängstigt und unsicher, schon gilt sie als Anwärterin für den Preis der besten Schauspielerin in Venedig. Filmreif ist auch ihr „Star-Auftritt“ am Lido. „Das Flugzeug musste nach einer Stunde wegen eines Schadens umdrehen“, deshalb sitze sie jetzt immer noch in New York: „I am very very sorry“. Das alles erzählt sie per Handy, Regisseur Madden hält vor den Augen der Cineasten das kleine Ding in die Höhe, aus dem die Amerikanerin plappert.

Andächtig lauscht die Fangemeinde. Sir Anthony, der das halbe Leben unter nagenden Selbstzweifeln und Alkoholproblemen litt, lächelt verlegen: „Ich kannte Gwyneth vor dem Drehen nicht gut, aber sie ist neben Jodie Foster die beste Schauspielerin, mit der ich je gearbeitet habe.“ Der alte Mann nimmt sich vor den Fans ebenso zurück wie in seiner Rolle als Mathematikprofessor. Er muss nichts mehr beweisen. Und das können sich nur die ganz Großen erlauben.