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NWZonline.de Nachrichten Kultur

US-Filmemacher zeigen sich als kritische Front gegen Trump

09.09.2017

Venedig „Make America Great Again“: Mit diesem Slogan zog Donald Trump 2016 in den Wahlkampf. In Sachen Kino scheint er gewirkt zu haben: „Great“ sind die amerikanischen Filme tatsächlich, die bei den am Samstag zu Ende gehenden 74. Filmfestspielen in Venedig den Wettbewerb um den „Goldenen Löwen“ klar dominierten. Allerdings auf eine Weise, die sicher nicht im Sinne Donald Trumps ist: Die US-Filmemacher zeigten sich als kritische Front gegen den „America First“-Chauvinismus.

Mit seinem Wahlkampf-Versprechen, verlorene Größe zurückzugewinnen, war Trump der Sehnsucht vieler seiner Landsleute nach den vermeintlich stabilen Verhältnissen im Amerika der 1950er Jahre entgegen gekommen – vor den Emanzipationsbewegungen von Frauen, Schwarzen und Homosexuellen, vor dem Vietnamkrieg und 9/11, vor Globalisierung und Digitalisierung. Wie als Antwort darauf setzen sich gleich mehrere der US-Werke, die in Venedig präsentiert wurden, mit jenem Jahrzehnt auseinander und erinnern an dessen dunkle Seiten, die ihre Schatten bis in die Gegenwart werfen.

Clooneys Film ist blutige Kritik

Guillermo del Toro polemisiert in seinem Fantasyfilm „The Shape of Water“ gegen Machismo, Fremdenhass und Paranoia jener Ära und feiert die „diversity“. Dokumentarfilmer Errol Morris rollt in der Netflix-Miniserie „Wormwood“, die außer Konkurrenz vorgestellt wurde, in Form eines Dokudramas den Tod eines 1953 ums Leben gekommenen CIA-Wissenschaftlers auf und liefert Einblicke in illegale Geheimdienstaktivitäten der Ära des Kalten Krieges.

Besonders scharf (und blutig!) formulierte Lido-Liebling George Clooney in „Suburbicon“ Kritik an den Zuständen im eigenen Land. Die Idee, einen Film über die 1950er und den Rassismus jener Zeit zu drehen, sei ihm im Zuge von Trumps Wahlkampagne gekommen, erzählte der Star. Clooneys Recherchen um Ausschreitungen gegen eine schwarze Familie, die sich in einer „weißen“ Siedlung in Levitton, Pennsylvania, zugetragen haben, verbindet „Suburbicon“ mit einer Drehbuch-Idee der Filmemacher Joel und Ethan Coen zu einer bitterbösen Satire: Während die „braven“ Bürger des fiktiven Vororts Suburbicon nach dem Zuzug einer schwarzen Familie auf die Barrikaden gehen, weil sie fürchten, dass nun Kriminalität und Verwahrlosung in das Mittelstandsidyll einbrechen, tun sich hinter der properen Fassade der weißen Familie Lodge (u.a. mit Matt Damon als Familienvater) längst haarsträubende mörderische Abgründe auf.

Hoffnungsvoller Altmeister

Zwei der stärksten US-Beiträge stammten von Altmeistern des Kinos. Regisseur Paul Schrader, der einst als Drehbuchautor von „Taxi Driver“ Filmgeschichte schrieb, präsentierte mit „First Reformed“ ein Drama um den Priester einer reformierten Gemeinde, der am Zustand der Welt und seiner Kirche zu verzweifeln droht und nur noch in einer radikalen Gewaltaktion einen Ausweg zu sehen scheint.

Wie in Clooneys Film kanalisiert sich darin viel aufgestaute Wut: Schrader arbeitet sich, vertreten durch die von Ethan Hawke großartig gespielte Hauptfigur, an einer Gesellschaft ab, die sich als „God’s Own Country“ versteht, deren Haltung zum Umweltschutz aber in eklatantem Widerspruch zu einem christlichen Verantwortungsgefühl gegenüber der Schöpfung steht.

Hoffnungsvoller zeigte sich ein anderer Altmeister des US-Kinos: Dokumentarfilm-Legende Frederick Wiseman porträtiert in der Dokumentation „Ex Libris – The New York Public Library“ die gleichnamige Institution, die nicht mehr nur ein Hort von Buchwissen ist, sondern eine verzweigte Bildungseinrichtung mit einer Vielzahl von Aufgaben. Wiseman huldigt nicht nur der Bibliothek, sondern singt das Hohelied auf Bildung im Allgemeinen als Keimzelle jeder funktionierenden Demokratie: In Einrichtungen wie der New York Public Library scheint es noch gegenwärtig, das liberale, verantwortungsvolle Amerika.

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