VENEDIG - Das Ringer-Drama „The Wrestler“ des New Yorker Regisseurs Darren Aronofsky mit Mickey Rourke in der Hauptrolle hat beim 65. Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen. Die Meditation des amerikanischen Filmemachers über Erfolg und Scheitern hatte Kritiker wie Publikum begeistert. Auch deutsche Erfolge gab es am Sonnabend: Regisseur Werner Schroeter (63) erhielt einen Spezial-Löwen für sein Gesamtwerk.
Bei der Preisverleihung aber gab es Standing Ovations für Mickey Rourke. Es war ein Triumph des 51-jährigen amerikanischen Schauspielers. Jury-Präsident Wim Wenders nannte seine Interpretation eines alternden Show-Ringers „herzzerreißend“ und forderte die Festivalmacher dazu auf, die Regeln zu ändern: Rourke hätte die Ehrung als bester Darsteller verdient gehabt, meinte er, doch eine solche Preishäufung untersagt das Reglement. Italienische Medien kritisierten die Äußerung des deutschen Regisseurs am Sonntag als „Fauxpas“.
Dem deutschen Regisseur Werner Schroeter, der mit dem pathetischen Bürgerkriegsmelodram „Nuit de Chien“ im Wettbewerb war, wurde von der Jury ein Spezial-Löwe für sein Gesamtwerk zuerkannt. Der Sonderpreis der sieben Juroren ehrt das äthiopische Epos „Teza“ von Haile Gerima, das wie Schroeters Film einen deutschen Produktionsanteil hat. „Teza“ erhielt außerdem den Drehbuch-Preis.
Der Silberne Löwe für die beste Regie ging an den jungen Russen Alexej German Jr. für „Papiersoldat“. Der Filmemacher schildert in seinem dichten Werk die letzten Vorbereitungen auf den ersten bemannten Weltraumflug im Jahr 1961. Der Streifen erhielt auch die Auszeichnung für die beste Kameraführung.
Als bester Schauspieler wurde der Italiener Silvio Orlando („Il papà di Giovanna“) mit einer „Coppa Volpi“ bedacht. Orlando verkörpert in dem bizarren Familiendrama von Pupi Avati einen Vater, der sich vor seine aus Eifersucht mordende Tochter stellt. Als beste Darstellerin galt der Jury die Französin Dominique Blanc. Sie spielt in „L’Autre“ von Patrick Mario Bernard und Pierre Trividic eine Frau, die eine von ihr selbst gewählte Trennung nicht verkraftet.
Der deutsche Wettbewerbsbeitrag „Jerichow“ von Christian Petzold ging leer aus. Aber auch Kathryn Bigelows Irak-Kriegsfilm „Hurt Locker“, der japanische Animationsfilm „Ponyo on Cliff by the Sea“ von Hayao Miyazaki und Jonathan Demmes Familiendrama „Rachel Getting Married“ mussten sich dem Votum der Juroren beugen.
