Landkreis/Kirchhatten - Gut 90 Hektar Fläche für Blühstreifen wurden im Landkreis Oldenburg von der Jägerschaft angelegt, um Nahrungs- und Ruhezonen für das Niederwild zu schaffen. „Ich kenne keinen Landkreis in Niedersachsen, der das aus dem Stand heraus geschafft hat“, sagte Helmuth Blauth, Vizepräsident der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) und stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft. Die Landwirte würden ihre Flächen kostenlos zur Verfügung stellen. Das werde aber aufgrund der stark gestiegenen Pachtpreise künftig kaum noch durchzuhalten sein. Blauth öffnete am Sonntag im Hotel „Zum Deutschen Hause“ in Kirchhatten offiziell die Wildwochen im Oldenburger Land.

Insgesamt 15 Gastronomen im Landkreis und der Stadt Oldenburg beteiligen sich vom 1. bis 30. November wieder an den Wildwochen. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) wird dabei unterstützt von der Jägerschaft, dem Niedersächsischen Forstamt Ahlhorn, der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises (WLO) und dem Zweckverband Naturpark Wildeshauser Geest. Neben regionaler Küche gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungen (die NWZ  berichtete).

Vor der Eröffnung hatten die Veranstalter zu einer Hubertusmesse eingeladen. Pastor Malte Borchardt (Westerstede) wies in seiner Predigt darauf hin, dass Signalweste der Jäger und Kirchturm vieles gemein hätten. Beide signalisierten Geborgenheit in der Gemeinschaft. Daraus wachse aber auch Verantwortung – für die Natur wie für die Gesellschaft. Borchardt ist selbst Jäger. Für die Jagdsignale sorgten die Bläsergruppen „Barneführer Holz“ (Leitung: Gunther Bergen) und Ding­stede (Leitung: Anja Ahlers).

Günther Lütje, Leiter des Hegerings Hatten, ging in seinem Grußwort auf die ehrenamtliche Arbeit der Jäger ein. Das reiche vom Waldspaziergang mit Kindern bis hin zum Freischneiden von Heideflächen. „Wir haben Verantwortung für die Natur übernommen“, so Lütje. Auf die gesunde und schmackhafte Ernährung mit Wildbret wies Hattens stellvertretende Bürgermeisterin Gabriele Müller in ihrem Grußwort hin. Die Zubereitung sei „keine Zauberei“, dankte sie der Familie Schnitker als Gastgeber der Eröffnungsveranstaltung. Für die herbstliche Ausstellung des Saales hatten Marga und Werner Gramberg, Doris Glasemann, Greta Knief und Hans Hermann Oltmanns gesorgt.

Blauth meinte, die Artenvielfalt sei „das Immunsystem unserer Erde“. Angesichts der dramatischen Zunahme von Biogasanlagen und Mais-Monokulturen würden die Jäger die Auswirkungen auf Feld und Flur im Blick haben. Freiwillig hätten die Waidmänner einen Bejagungsverzicht fürs Rebhuhn ausgesprochen. Gleichwohl würden Jäger in gesellschaftliche Konflikte gezogen. In der Debatte werde man sich „nicht wegducken“. Zugleich stellte Blauth klar: „Wir sind keine Lustmörder.“ Kein Jäger wolle die Tiere quälen. Und bei den Wildwochen werde kein Wildbret aus Neuseeland serviert, sondern nur aus heimischen Revieren.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent