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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Verführerischer Zauber der Nacht

23.12.2013

Oldenburg Wer von dieser Serenade erwartet, was man generell von einer Serenade erwartet, der müsste wohl das 3. Sinfoniekonzert des Oldenburgischen Staatsorchesters meiden. Doch genau das wäre ein großer Fehler. Das Konzert ist eindringlich und nachschwingend.

Alles, was man mit der frohgestimmten Leichtigkeit des Genres verbindet, sperrt das Kernwerk des Programms aus: Benjamin Brittens „Serenade für Tenor, Horn und Streicher“ von 1943. Die Musikwissenschaft mag diese Vertonung von Gedichten aus fünf Jahrhunderten nicht mehr von den Lebensumständen von Englands größtem Komponisten des 20. Jahrhunderts lösen. Britten, in Lebensgemeinschaft dem Sänger Peter Pears verbunden, werden pädophile Neigungen nachgesagt, eher in Gedanken und Gefühlen als in Taten. Stets hat Britten seine dunklen Seiten versteckt, sich als Außenseiter gefühlt. Seine großen Opern hat er den Figuren außerhalb der Gesellschaft gewidmet.

Auch seine Serenade hat er mit einem Kokon von Noblesse ummantelt. Aber er weicht nicht aus. Er umkreist die Nacht, ihren verführerischen Zauber, ihre Albträume. Die richtige Dosis dieser traumhaften Musik zu enthüllen, ohne die Schleier zu zerreißen, verlangt dem Sänger alles ab.

Im Großen Haus ist dabei aus der Not eine Tugend geworden. Für den erkrankten Daniel Ohlmann musste über Nacht der in Hamburg lebende Michael J. Connaire einspringen. Dem US-Amerikaner liegt die saubere Diktion der Verse im Munde. Sein lyrischer Tenor hat Schmelz, ist zu Leuchten ebenso fähig wie zu Festigkeit im Verhauchen. Im Wechsel von Naturhorn und Ventilinstrument ist Joaquim Palet ein gleichrangiger Partner, sauber intonierend und sensibel gestaltend. Die große Dimension misst auch Dirigent Francesco Corti souverän aus.

Fast leicht hat es der filigran gestaltende Musikchef der Scottish Opera mit Dvoraks Bläserserenade d-Moll und Mozarts Posthorn-Serenade KV 320. Die Bläser treffen glücklich Dvoraks Mischung aus archaischem Klang, Volkstümlichkeit und Schwelgen, ohne dick aufzutragen. Mozart mit Naturtrompeten kommt brillant und geistreich daher. Federnd, rhythmisch zugespitzt, melodiös pointiert rauschen die sieben Sätze dahin. Corti weiß, wo er es krachen lassen kann – bis hin zum höchst knackig servierten Posthornsolo von Matthias Elsaeßer.

Das Konzert wird an diesem Montag und am 25. Dezember wiederholt. Karten unter Telefon  0441/222 51 11.

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