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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere: Verrückter geht es kaum noch

18.11.2014

Oldenburg Man nehme: einen Teelöffel Arsen, einen halben Teelöffel Strychnin und eine Messerspitze Zyankali, gebe das Ganze in ein Glas Fliederbeerwein, und fertig ist der Giftcocktail, der ältere alleinstehende Männer ins Jenseits befördert. Der schwarze Humor feiert Triumphe in der niederdeutschen Kriminalkomödie „Arsenik un ole Spitzen“ von Konrad Hansen nach dem erfolgreichen Theaterstück „Arsen und Spitzenhäubchen“ von Joseph Kesselring aus den 40er Jahren.

In der Inszenierung von Maria-Elena Hackbarth mit Mitgliedern der August-Hinrichs-Bühne wird der Wahnsinn auf die Spitze getrieben – sehr zum Vergnügen des Premierenpublikums, das am Sonntagabend im Kleinen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters einen rekordverdächtig lang anhaltenden, frenetischen Schlussapplaus spendete. Zu Recht.

Es ist ein Bild des Friedens: Martha und Abby Brewster (Hildburg Schreyer und Rita Martens spielen schön schrullig) plaudern beim Tee mit Pastor Harper (Dieterfritz Arning) über die guten alten Zeiten. Nichts deutet darauf hin, dass die netten alten Damen einige Leichen im Keller haben. Verscharrt von ihrem Neffen Teddy (irre komisch: Cay-Hendryk Meyer), der sich für Präsident Theodore Roosevelt hält und im Keller den Panama-Kanal aushebt. Als ihr Neffe Mortimer (Sven Gerstmann überzeugt auf ganzer Linie) den toten Mr. Hoskins in der Truhe am Fenster entdeckt, nimmt der Wahnsinn seinen turbulenten Lauf: Türen knallen, es geht treppauf, treppab, hin und her. Das Publikum kommt bei der Fülle der Pointen und dem Tempo der Akteure kaum nach. Zudem kann die August-Hinrichs-Bühne am Staatstheater bühnentechnisch aus dem Vollen schöpfen, andere niederdeutsche Bühnen können blass vor Neid werden.

Mortimer ist entsetzt über das Treiben seiner Tanten. Im letzten Moment kann er zwar verhindern, dass der neue potenzielle Mieter Mr. Gibbs (Jürgen Müller in einer kurzen, knackigen Rolle) vom vergifteten Fliederbeerwein kostet, aber dann bekommt er es mit seinem lange verschollenen, schwerkriminellen und komplett verrückten Bruder Jonathan (irre gut: Mario Forkel) zu tun. In Begleitung von Dr. Hermann Einstein (Helmut Loewenstein) will er im Haus seiner Tanten den abgemurksten Mr. Spinalzo verschwinden lassen. Martha und Abby sind empört: ein fremder Toter in ihrem Keller, das geht gar nicht.

Der Bösewicht schmiedet einen Mordplan gegen Mortimer. Der Polizist O’Hara (Norbert Pfeiffer) könnte dem Treiben ein Ende setzen, aber der Ordnungshüter mit schriftstellerischem Drang nutzt die Gelegenheit, um Mortimer endlich sein Theaterstück ausführlich darzulegen. Verrückter geht es kaum noch.

Zum vergnüglich-skurrilen Wahnsinn tragen Kristina Trey als Elaine, Herwig Dust als Polizist und Ansager und Gert Prahm als Polizist bei. Eine auf ganzer Linie überzeugende Inszenierung.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
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