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Schule „Verrücktsein ist das neue Normalsein“

Eilert Freese

Bad Zwischenahn - Eine glanzvolle Premiere brachte die Theater-AG des Gymnasium Bad Zwischenahn-Edewecht (GZE) mit dem Stück „Who the f*** is Alice?“ auf die Bühne. Der Titel löst sich für nicht Eingeweihte auf, als Ayleen Graw und Roberta Burdekat mit der „White Rabbit Band“ den Smokie-Song von 1976 „Living next Door to Alice“ singen. Wenn DJ Onno Pelser 1995 das Lied in einer Bar in Nimwegen spielte, schrie er immer: „Who the fuck is Alice?“, wenn der Name Alice gesungen wurde – „Wer, verdammt nochmal, ist Alice?“.

Großes Engagement

Grundlage ist aber tatsächlich „Alice im Wunderland“, das Kinderbuch von Lewis Carroll (1865). Auch die Frage „Wer bin ich – und wenn ja wie viele?“ des deutschen Philosophen Richard Daniel Precht wurde im Stück gestellt. Im Zweifel waren auch Anlehnungen an Shakespeares „Was ihr wollt“ zu erkennen: „Heute morgen dachte ich, ich sei Tatjana“, sagt eine Alice, die von vielen Personen manchmal gleichzeitig gespielt wird. Aber letztlich legen Mitwirkende, Autoren und Verantwortliche Wert auf die Feststellung: „Das Stück haben wir entwickelt“.

16 Schauspieler, fünf Schüler der „White Rabbit Band“ und zwei Techniker haben fast ein ganzes Schuljahr geprobt, ihre Freizeit geopfert und großes Engagement gezeigt, um das Thema „Identität“ bühnenreif zu machen. Der Zuschauer merkt, dass hart gearbeitet wurde. Das Zusammenspiel auf der Bühne von zeitweise allen 16 Akteuren ist beeindruckend, Mimik und Gestik der meist weiblichen Schauspielerinnen sind überzeugend. Glänzend sind Choreografie und schauspielerische Leistungen. Die Bühneneffekte und das Bühnenbild unterstreichen intelligent die Inszenierung. Die Kostüme entweder schlicht schwarz oder überhöht schrill.

„Integratives Stück“

Und immer geht es um die Frage „Wer bist Du – wer bin ich?“ In einer Schlüsselszene fragt eine Raupe, die aus fünf Akteuren besteht, Alice immer wieder nach ihrer Identität. Ihr wird ein Koffer voller „Identities“ angeboten. Sie entscheidet sich, ein Hirschkalb zu sein, das aber widerspricht, weil es es schon gibt. Viele Szenen sind surreal entwickelt. Das Publikum ist sehr konzentriert und applaudiert freundlich nach jeder Szene. Aber so richtig „kracht es“, wenn – auch mal frivole – Witze gemacht werden. Dann hat man den Eindruck: „Das haben wir verstanden“.

So ging es auch Stefan Ahlers. „Super inszeniert. Aber verstanden habe ich die Message nicht. Vielleicht ein Generationen-Problem“, räumt er ein. Schulleiter Klaus Friedrich hat entdeckt, dass man bei dem Stück auf mindestens drei Ebenen denken muss. Er bedankt sich mit den Worten: „Es ist ein inte­gratives Stück. Ich bin stolz auf Euch“.

Skurrile Dialoge

Alice ist immer schwarz gekleidet und als (vielleicht einzige) Reminiszenz an Disney mit einer blütenweißen Spitzenschürze ausgestattet. Immer, wenn die „Grinsekatze“ auftritt, sprechen alle Akteure in Reimen. „Das Reimen entspannt den Verstand“, meint sie und findet, dass „Verrücktsein das neue Normalsein ist“. Es bedarf schon eines gewissen Maßes an Unvoreingenommenheit, sich total auf die teils sehr skurrilen Dialoge und Handlungen einzulassen. „Es ist nun mal alles ein bisschen wunderlich“, sagt Arne Schröder. Er spielt einen Teil der Raupe und den Herzog.

Um die Kulturszene im Ammerland braucht sich niemand zu sorgen. Der Nachwuchs ist gesichert. Die Vorführung im Forum der Schule, Humboldtstraße 1C, diesen Freitag ist ausverkauft. Für Sonnabend, 19 Uhr, gibt es noch Restkarten – diesen Vormittag in den Pausen im GZE oder an der Abendkasse.

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