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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Versammlung von schrägen Geistern

09.02.2015

Oldenburg Fünf Tassen, fünf Teller, eine Etagere mit Keksen: Eigentlich sah alles nach einem netten Teekränzchen aus. Eigentlich. Wären da nicht dieser bleichgesichtige Butler, diese vor sich hin starrende schwarze Katze auf dem Klavier und überhaupt diese düstere Atmosphäre in den alten Gemäuern. Gruseln sollten sich die Zuschauer bei der Premiere der „Scary Opera“ in der Oldenburger Exerzierhalle des Staatstheaters.

Zum Sängerwettstreit hatte ein mysteriöser Gastgeber gerufen. Nur düstere Gestalten, Untote, deren Seelen keine Ruhe finden, waren geladen. Jene oder jener mit der schaurigsten Darstellung sollte den Hauptgewinn – die langersehnte Erlösung – davontragen. Auf der Gästeliste: Rosina Leckermaul, die kinderfressende Hexe, der Londoner Serienmörder Sweeney Todd und die blutverschmierte, verrückte Braut Lucia di Lammermoor. Außerdem unter den Gästen, wenn auch ohne Einladung: Kammerzofe Adele, die Neue im „Gruselbusiness“.

Horrorfilm und Oper wollte Regisseur Felix Schrödinger in dieser Produktion verbinden und erarbeitete mit Alan Lorwhen das Konzept für eine Horrorgeschichte. Humorvoll jongliert er in der „Scary Opera“ mit Zitaten aus Horrorfilmklassikern und Grusel-Musicals, bindet geschickt Songs und Arien aus Oper, Operette und Musical ein und sorgt für hohes Tempo.

Mit schaurig-vollem Bass-Bariton eröffnet der Butler (Tomasz Wija) die „Ghosts’ High Noon“ mit Arthur Sullivans gleichnamiger Arie. Erste Teilnehmerin im Wettbewerb ist die Knusperhexe (Melanie Lang), die durch ihren weich-einschmeichelnden Mezzosopran in der Musik Humperdincks zu überzeugen sucht. Weit forscher ist der Auftritt Sweeney Todds (Stephen Foster). Mit kerniger Musicalröhre will er sich an die Spitze singen.

Lucia di Lammermoor (Valda Wilson) steht ihren Konkurrenten in Nichts nach. Hochdramatisch ist ihre Interpretation der Musik Donizettis. Mit betörendem Schmelz kämpft sie auch abseits der Wettbewerbsbühne mit Rosina Leckermaul in Bizets „Habanera“ aus „Carmen“ um die Gunst des ominösen Gastgebers (Philipp Kapeller). Der scheint ganz Adele (Alexandra Scherrmann) verfallen zu sein, die mit ihrem feinen Sopran gewollt aus dem Ensemble fällt, stimmlich aber nicht zurücksteht.

Virtuos begleitet werden die Sänger in den 90 pausenlosen Minuten von der geisterhaften Hauspianistin (Akiko Nozue). Gestört wird die Gesellschaft mehrfach durch das Auftreten von Janet Weiss (Nientje Schwabe) und Brad Majors (Marcel Plewinski) – bekannt aus der „Rocky Horror Picture Show“.

Wirklich schaurig ist die „Scary Opera“ nicht, da kann noch so viel Kunstblut fließen. Viel bestechender an dem gruseligen Sängerwettstreit ist die Freude, die das gesamte Team gepackt zu haben scheint und die auch das Publikum erfasst.

Bleibt nur die Frage nach dem Gewinner des Castings. Da es sich um eine Horrorshow handelt, kann man sich denken, wie das „Happy End“ ausfällt.


Alle NWZ -Kritiken unter:   www.nwzonline.de/premieren 
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