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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Ballet Am Staatstheater Oldenburg: Hier geht’s um Spannung zwischen Männern und Frauen

14.03.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-03-14T11:07:59Z 280 158

Ballet Am Staatstheater Oldenburg:
Hier geht’s um Spannung zwischen Männern und Frauen

Oldenburg „Men and Women“, Männer und Frauen – der schlichte Titel verführt dazu, ihn mit Loriot zu vervollständigen: „passen einfach nicht zusammen“. Am Ende läuft es zwar auf genau diese Erkenntnis hinaus, doch ein humoristischer Ansatz liegt Antoine Jully in seiner neuen Choreografie völlig fern. Diese Kombination von musikalischer Dramatik, expressiver Körperlichkeit und illustrierendem Bühnenbild ist eine Art Gesamtkunstwerk – ausdrucksstark und intensiv, aber bestimmt nicht komisch.

Was den begeisterten Schlussapplaus am Sonntagabend im Großen Haus des Oldenburgischen Staatstheaters nicht geschmälert hat. Er galt sowohl der Ballettcompagnie als auch dem Staatsorchester unter der Leitung von Carlos Vázquez und dem Chefchoreografen Jully, der sich für seine Uraufführung die 6. Sinfonie des schwedischen Komponisten Allan Petterson (1911–1980) ausgewählt hat. Damit hat er auch den dunklen Ton vorgegeben – von bedrohlich-dramatisch, an manchen Stellen erinnert die Musik an alte Hitchcock-Filme, über schrill-dissonant bis zu sanft-resignativ.

Jullys choreografische Analyse der Gefühlswelten von Männern und Frauen schickt die zwölf Tänzerinnen und Tänzer auf eine schwarze Bühne, die sparsam ausgestattet ist mit überdimensionalen Postkarten der Oldenburger Malerin und Goldschmiedin Alexandra Telgmann. Wie als spiegelbildliche Illustration schweben sie von der Decke herab: Bilder von extrem stilisierten Paaren. Ein gerader Strich genügt für den Mann, zwei gebogene Linien für die Frau, Köpfe sind nur angedeutet. Mal stehen sie eng beieinander, mal rotieren sie gemeinsam in einem kreisrunden Raum.

Allerdings fehlen ihnen Arme und Hände, genau jene Körperteile, die in Jullys Choreografie am expressivsten zum Einsatz kommen. Ellenbogen werden extrem abgespreizt, Arme und Beine bis an die Schmerzgrenze verdreht. Bis in die Fingerspitzen geht die Muskelanspannung der Tänzer, nicht weich und schmiegsam, sondern sperrig und schräg. Da werden Fäuste geballt, da wird geboxt und weggeschubst. Fast macht es den Eindruck, als träfen Gladiatoren aufeinander und keine Verliebten oder Lebensabschnittspartner.

Dass hier noch anderes verhandelt werden soll, geht aus dem Programmheft hervor. Jully hat sich von den sieben Todsünden inspirieren lassen: Hochmut, Geiz und Wollust, Jähzorn und Völlerei, Neid und Faulheit. Die eine oder andere – etwa die Völlerei – mag man ansatzweise erkennen, eins zu eins bebildert werden sie aber nicht.

Ist auch gar nicht nötig. Die Tänzer, die in wechselnden Geschlechterkombinationen aufeinandertreffen – zwei Frauen heben auch schon mal einen Mann –, loten die Bandbreite der Emotionen auch ohne sündhaften Überbau bis an die Grenzen aus. Harmonisch und versöhnlich wirken die Pas de deux, die kraftvollen Trios und Gruppenszenen erst gegen Ende der knapp einstündigen Choreografie, in dem Augenblick, in dem schon der Abschied naht.

Optimismus sieht anders aus. Ob Männer und Frauen grundsätzlich nicht zueinanderpassen, sei dahingestellt. Spannenden Stoff für die Tanzbühne bieten ihre Beziehungen aber allemal, selbst noch im Unglück.


Alle NWZ-Kritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 

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