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Aktualisiert vor 10 Minuten.

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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Verwirrspiel der Gedanken

13.12.2014

Bremen Mit freiem Oberkörper und gesenktem Haupt stolziert Fürst Lew Myschkin (Alexander Swoboda) über die Bühne – zerfressen von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen wälzt er sich auf dem Boden und fällt in alte Krankheitsmuster zurück. Er ist ein Außenseiter, wird gemeinhin „der Idiot“ genannt. Ein Träumer, der Menschen in seiner kindlich-naiven Art vor Leid beschützen möchte und sich dafür aufopfert.

Dicht an der Vorlage

Nach fünf Jahren in einem Schweizer Sanatorium ist Myschkin nach Sankt Petersburg zurückgekehrt. Dort begegnet er vielen Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten. Ein Verwirrspiel um Liebe, Hass und Neid beginnt.

Regisseur Frank Abt hat die Geschichte nach dem Roman „Der Idiot“ von Fjodor Dostojewski (1821–1881) nun auf die Bühne des Kleinen Hauses am Bremer Theater gebracht. Dicht an der Vorlage orientiert sich die dreieinhalbstündige (inklusive einer Pause) Inszenierung.

Allerdings wird gleich zu Beginn klar: Wer den Roman nicht kennt, der kann der Geschichte nur schwer folgen. Das Stück leidet an dem Vorsatz, möglichst viele Handlungsstränge mit einzubeziehen, und verliert dabei den Überblick.

Welche Verbindung die Charaktere zueinander haben und welche Ziele sie verfolgen, bleibt unübersichtlich. Abt lässt dem Zuschauer viel Raum für Interpretationen – für einige offensichtlich zu viel, sie verlassen das Theater vorzeitig.

Indes: An den Schauspielern liegt es nicht, dass die dreieinhalb Stunden mitunter zu einer Geduldsprobe werden. Unermüdlich sind sie im Einsatz, verkörpern ihre Charaktere glaubwürdig. Im Streit wird schon mal kräftig gebrüllt, Vasen gehen zu Bruch, man rutscht vor Verzweiflung auf Knien herum. Alexander Swoboda entblößt sich bis auf die Unterhose, um sich daraufhin tollpatschig in einen Anzug zu zwängen – inklusive einer Landung auf dem Hosenboden.

Die Stärke des Stücks liegt in den knackigen Dialogen und der Gestik der Akteure. Die Kulisse ist auf ein Minimum reduziert: ein Lamettavorhang und ein paar Stühle. Hin und wieder kommen Klavier und Plattenspieler zum Einsatz. Das Lichtspiel ist dezent, aber stimmig, die Kostüme bewusst schlicht gehalten. Gelungen: Eine Stimme erklärt zwischendurch die Gedanken Myschkins, der Lamettavorhang steht sinnbildlich für seine ausweglose Situation, denn er ist der einzige Charakter, der ihn nicht durchschreiten kann.

Überhasteter Schluss

Am Ende geht alles ganz schnell. Laute Musik dröhnt los, Sektkorken knallen – Trauzeuge Myschkin hält seinen Monolog über Aufrichtigkeit und Niedertracht. Schnitt, nächste Szene. Nun muss Nastassja Filippowna dran glauben – ermordet durch Rogoschin. Myschkins Welt zerbricht. Er erleidet einen Rückfall, muss wieder ins Sanatorium.

Kenner des Romans kommen auf ihre Kosten. Für alle anderen bleibt die Erkenntnis, dass man es nicht jedem recht machen kann – das indes wussten wir auch vorher.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Sabrina Wendt Redakteurin / Wirtschaftsredaktion
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