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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Oldenburgisches Staatstheater: Viel Gebrüll um nichts

01.12.2014

Oldenburg Ist das noch Shakespeare, die Freiheit des Übersetzers oder doch die Regie? „Ich wünschte, wir hätten das hier schon hinter uns“, heißt es irgendwann zu später Stunde auf der mit Sand bedeckten Bühne. Ein Wunsch, der sich für knapp ein Viertel der Zuschauer im Kleinen Haus zu diesem Zeitpunkt schon längst erfüllt hatte. Für alle anderen dauerte es mehr als dreieinhalb Stunden, inklusive Pause.

Hektischer Klamauk

Die ersten Zuschauer bei der Oldenburger Premiere von „Was ihr wollt“ hatten schon nach einer halben Stunde genug gesehen und das Weite gesucht – spätestens als der nackte Malvolio (Jens Ochlast mit bewundernswerter Selbstbeherrschung) sich seinen Penis im Stuhl einklemmen musste (Vorsicht witzig!) und statt des gefälschten Briefes seiner Herrin erst einmal die Brandschutzverordnung vorlas (voll krass).

Wer bis zuletzt aushielt, fand entweder total lustig, wie sich Martin Laberenz Shakespeares bitterböse Komödie zurechtgebogen hat, oder verfolgte eher geschmerzt den drastisch-hektischen Klamauk. Wobei Shakespeare den Wahnsinn zum Teil schon eingearbeitet hat. Wer was von wem will ist das Thema eines genialen Verwirrspiels um Identität und Projektion. Jeder sendet seine Liebessignale ausgerechnet an den, der garantiert nichts mit ihnen anzufangen weiß – der Diener Malvolio an die Gräfin Olivia, Olivia an die als Mann verkleidete Viola, diese an den in Olivia verliebten Herzog Orsino, Antonio an Sebastian.

Laberenz versteht das Ganze von vornherein als Spiel: Die Darsteller sitzen auf Stühlen rund um die leere Bühne, die Kostüme hängen auf einer Stange, werden anprobiert und wieder verworfen, Zuschauer genauso ins Spiel einbezogen wie Souffleuse und Live-Musikerin. Seine Komik bezieht er bevorzugt aus dem langatmigen Scheitern: Textzeilen, die sich verhaken, Darsteller, die sich in den Sand schmeißen, Szenenfragmente, die wiederholt werden, Schuhe, die sich nicht aus-, Strümpfe, die sich nicht anziehen lassen.

Einziges Pfund

Dazu viel Gehampel und Gebrüll. Gegen Ende verliert der Regisseur überraschend die Lust an der Komik und verwandelt die angedeutete Szenerie mit Badewanne in eine Folterkammer. Immer noch ein Spiel, aber plötzlich eines auf Leben und Tod.

Das Ensemble ist dabei Laberenz’ einziges Pfund: ununterbrochen im körperlichen Einsatz – bis an die Verletzungsgrenze, wie Bandagen an Beinen und Füßen verraten. Allen lustvollen Anstrengungen der zehn Darsteller zum Trotz bleibt das Blankziehen – auch Lisa Jopt als Olivia muss nackt zwischen Publikum und leeren Stuhlreihen herumhüpfen – das bevorzugte Stilmittel der Regie. Das ist weder provokant noch prall, sondern auf Dauer lächerlich und langweilig. Das hat Shakespeare nicht verdient.


Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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