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Gezeitenkonzerte Viel harte Arbeit draußen und drinnen

Horst Hollmann

Dangast - Wer bei den „Gezeitenkonzerten“ der Ostfriesischen Landschaft im Alten Kurhaus in Dangast auftritt, muss zuvor ungewohnte Arbeit leisten. Ehe er das Ambiente eines in dieser Konzertreihe stets ausverkauften Saales genießen darf, muss er für das Plakatfoto des nächstjährigen Festivals herhalten. Bei Nieselregen und kühlem Wind trifft „Herhalten“ die Anforderung ziemlich genau.

Blitzsauberes Spiel

Die Gummistiefel in den Schlick gehalten haben die Pianistin Verena Metzger, der Geiger Philipp Wollheim und der Cellist Raphael Paratore. Die Pianistin entschuldigt sich lächelnd dafür, „dass die Konzertkleidung nicht so ganz wieder sauber geworden ist“. Doch das Spiel des Trios erweist sich als blitzsauber. Aber zum Glück ist es nie steril blank geputzt.

Die Musiker, allesamt Preisträger namhafter Wettbewerbe, bestechen in allen Werken mit höchst eigenständiger Gestaltungskraft: In Dmitri Schostakowitschs frühem c-Moll-Trio, Fanny Hensels d-Moll-Trio op. 11 und Ludwig van Beethovens Erzherzogs-Trio B-Dur op. 97. Der Geiger und der Cellist steuern im Duo mit der Pianistin zwei kleine Kostbarkeiten bei: Den Blues-Satz aus der Violinsonate von Maurice Ravel und eine Traum-Melodie von Gabriel Fauré.

Solche Piecen sind nicht zu unterschätzen. Wie viel guten Geschmack, Sinn für Raffinesse und auch wie viel Pep die Musiker haben, zeigt der Blues. Wollheim zupft und zieht mit lässiger Eleganz über das Griffbrett. Metzger weiß genau um Wirkung und Nebenwirkung der getupften Noten. Auch der Schwenk Schostakowitschs Richtung Filmmusik ist bestens getroffen. Beethovens letztes Opus in seiner Klaviertrio-Serie bildet natürlich das Hauptwerk.

Die Drei spielen es mit großer Übersicht über die Gesamtdimension. Vordergründig gestalten sie musikalisch gesittet, ordnen die Abschnitte logisch, glänzen mit Disziplin, Exaktheit und Abgestimmtheit. Doch sie lassen sich die extrovertiert-virtuosen Seiten nicht entgehen.

Persönlich gefärbter Ton

Wollheim und Paratore sind Streicher mit einem persönlich gefärbten Ton. Sie heben ihn selbstbewusst hervor, sie führen ihn zurück in den Gesamtrahmen. Die Pianistin reizt ihre Vorrangstellung nie über Gebühr aus; sie trumpft nicht auf, sie folgt den feinen Verästelungen und blüht auf.

Zuvor in Fanny Hensels Trio von 1846 ist das nicht ganz gelungen. Die Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy hat zwar ein gewichtiges Werk geschaffen. Aber vor allem der zu massive Klavierklang verwandelt es hier in ein schwerfälliges. Trotzdem geben die Drei einen erfreulichen Fingerzeig auf das Wirken einer der leicht übersehenen aber bedeutsamen Musikerinnen der Romantik.

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