Bad Zwischenahn - Dass in einem Bestattungshaus auch mal gelacht werden darf, erfuhr am Wochenende ein begeistertes Publikum an diesem ungewöhnlichen Ort für kulturelle Veranstaltungen. Und viel zu lachen gab es bei der, so der Wortlaut in der Ankündigung, „berauschend komischen Revuetherapie“ in der voll besetzten Trauerhalle des Bestattungshauses Behrens-Funke am Diekweg. Die wurde für zwei Tage zur Musical-Bühne.
Gezeigt wurde die „Betty-Wolff-Klinik – Heute keine Therapie“, der Bremer „Seven Rays Musical Group“. Elf Laienschauspieler, alles Musiker mit Chorerfahrung, brachten zwei dreistündige, temperamentvolle Aufführungen auf die Bühne, in der das Publikum mitging und viel Spaß hatte. Geboten wurden – wie im Programm versprochen – „180 Minuten Theater mit 43 Vol-%“, gespickt mit rasanten Revueeinlagen und Gesang – eine Mischung, die beim Publikum gut ankam und mitriss. Das Stück wurde bereits erfolgreich in Achim gezeigt und veranlasste Bodo Funke auch, sein Haus für die Aufführung zu öffnen.
Und darum ging es: Die Entzugsklinik für Stars, das Lebenswerk von Betty Wolff alias Elke Meiners ist pleite. Und als auch noch ihr Ehemann, ein schlitzohriger Politiker, stirbt, hat sie, wie sie glaubt, eine rettende Idee. Die VIP-Journalistin Katie Kessel soll in den wichtigsten Medien groß berichten und im Gegenzug Einblick in die Geheimnisse ihrer „prominenten“ Patienten bekommen. Nur, die verhalten sich so gar nicht, wie erhofft. Und was die äußerst skurrile Ansammlung von Patienten, allesamt nicht gerade vom Leben verwöhnt, so bietet, zeigten die elf Darsteller mit mitreißender Spielfreude. So nahmen sie in einer spirituellen Sitzung Kontakt zum Jenseits auf, passend zum Song von Pink Floyd „Wish you were here“, den das Ensemble gekonnt wiedergab und sich viel Beifall ersang. Und in der Rolle des erfolglosen Opernstars Evita Borelli, die bisher nur bei „Pleiten, Pech und falschen Tönen“ auftrat, gewann Petra Lawitschka die Bewunderung der Zuhörer. Viel Beifall gab es auch für Thomas Bothe mit Frank Sinatras Song: „My way“, den das Publikum mitsang und mitklatschte. Und als abgehalfterter Rockstar Johnny Pistol konnte sich der Autor der komödiantischen Revue, Marco Nola, gut in Szene setzen.
Dass das Bestattungshaus Behrens-Funke die Aufführung in seine Halle geholt hat, nannte der Bremer Produzent, Musiker, Regisseur und Sounddesigner Nola „einen mutigen Schritt“ und freute sich, dass Kultur auch an einem außergewöhnlichen Ort möglich sei. Das Musical, das im musikalischen Teil viele bekannte Stücke aus den 1970er und 1980er Jahren anklingen ließ, stammt aus seiner Feder. Nicht nur für den bekannten Song „Hotel California“ von den Eagles, mit dem die spielfreudige Truppe eine tolle Revue-Passage auf die kleine Bühne zauberte, erhielt sie abschließend viel Beifall.
