Thüle - Nur eine knappe Stunde muss Familie Brelage mit dem Auto zurücklegen, um ihre Nachbarn auf dem Campingplatz zu besuchen. Warum ist ein nah gelegener Urlaubsort beliebt?

220 Dauerplätze, 103 Touristikplätze, 4,50 Euro pro Person und Wohnwagen. Durchschnittlich bleiben Camper drei bis 21 Tage – Der Campingplatz Wilken ist ein gefragtes Urlaubsziel. Und nicht nur die Talsperre ist Grund dafür, dass aktuell 77 Touristikplätze besetzt und die Dauerplätze ausgebucht sind.

Im fünften Jahr machen Helena und Jurij Maier Urlaub an der Talsperre, jedes Mal buchen sie einen Platz von Anfang Mai bis Ende Oktober. „Gerade haben wir zwei Wochen Urlaub. Aber auch an den Wochenenden sind wir häufig hier“, erzählt Helena Maier – einfach, um zwischendurch aus dem Alltag rauszukommen und abschalten zu können. Weil man aber nicht aus der Welt ist, ist es sogar möglich, seine Freunde zu sich in den Urlaub einladen. So waren am Mittwoch die Nachbarn aus der Heimat zum Grillen da.

Freunde im Urlaub da zu haben, das schätzen auch Manfred und Brigitte Maaßen, denn seit 12 Jahren reist das 50 Jahre alte Ehepaar mit vier Gespannen auf dem Campingplatz an. Beim Campen in Werlte haben sich die vier Paare kennengelernt und sind nicht mehr voneinander loszukriegen. „Wir müssen auch alle nebeneinander stehen“, erklärt der 75-Jährige. Da fährt man schon mal 250 Kilometer von Kleve am Niederrhein bis nach Thüle – wo Platz ist. „In den Norden führt uns aber in erster Linie die frische Luft“, ergänzt seine Frau.

Nicht nur das, denn Birgit Hamacher aus dem nur 45 Kilometer entfernten Wildeshausen möchte die Region aus einem anderen Blickwinkel kennenlernen – Warum immer weit reisen, statt die Natur in Deutschland zu entdecken? „Auch wenn es nicht weit weg ist, wir wohnen hier in einem ganz neuen Umfeld“, schwärmt sie.

Hinzu kommt der Reiz am Campen selbst. Vor vier Jahren hätten sie es zum ersten Mal ausprobiert, und von da an habe die beiden das Campingleben fasziniert, sagt Hans-Werner Hamacher. „Man macht die Tür auf, nimmt sich einen Stuhl und setzt sich nach draußen in die Natur, während der Kaffee kocht.“ Nach schwerer Krankheit des 53-Jährigen schätzen die beiden das einfache Leben. „Man ist mit weniger zufrieden.“