Worpswede - Im August 1889 genießen drei Studenten der Düsseldorfer Kunstakademie das ungebundene Leben und Malen in der Natur: „Großartig“, notiert Otto Modersohn in seinem Tagebuch. Ende August fasst das Trio – Modersohn, Fritz Mackensen und Hans am Ende – einen Plan, der bis heute nachwirkt: Die drei wollen im Teufelsmoor bleiben. Es ist die Geburtsstunde der Künstlerkolonie Worpswede.

Wenige Jahre später kommen Fritz Overbeck, Heinrich Vogeler, ebenfalls Studenten aus Düsseldorf, und Carl Vinnen, Sohn eines Bremer Reeders, hinzu. Eine erste Ausstellung der Worpsweder Maler im April 1895 in der Bremer Kunsthalle ist ein Erfolg und führt zu weiteren Ausstellungen in München, Breslau, Hamburg, Berlin, Dresden und Wien. Man reißt sich förmlich um die Worpsweder Maler.

Die Gründung der Künstlerkolonie in dem kleinen Dorf vor den Toren Bremens, die sich innerhalb weniger Jahre zur bekanntesten Kolonie in Deutschland entwickelte, wird in diesem Jahr mit einem Jubiläumsprogramm gefeiert. Im Zentrum steht die große Sommerausstellung „Mythos und Moderne“ in den vier zentralen Museen, die vom 11. Mai bis 14. September zu sehen ist.

Mehr als 200 Schlüsselwerke und begleitende Informationen beleuchten das facettenreiche Panorama der Kunst- und Kulturgeschichte Worpswedes vor dem Hintergrund des europäischen Zeitgeschehens. In vier Sektionen, die jeweils an wichtige historische Wendepunkte anknüpfen, wird die spannende Entwicklung des Künstlerdorfes zwischen Licht und Schatten, Vision und Wirklichkeit, Erfolg und Scheitern, Krise und Neubeginn illustriert.

Durch die Verbindung von Kunst- und Zeitgeschichte wirft die Ausstellung anhand der bedeutendsten Vertreter der Worpsweder Kunst, beginnend bei Fritz Mackensen und Heinrich Vogeler über Bernhard Hoetger und Paula Modersohn-Becker bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, einen neuen Blick auf die Künstlerkolonie.

Erstmals wird dabei auch die problematische Rolle Worpswedes in der Zeit des Nationalsozialismus ausführlich thematisiert. In jedem der vier Häuser visualisiert ein szenografischer Einführungsraum zu Beginn der Ausstellungssektion den kunst- und kulturhistorischen Hintergrund.