Westerstede - Wenn sich die Tür der Tonkabine schließt, ist Konzentration gefragt. Jetzt ist der Sprecher ganz allein mit dem Mikrofon. „Oft musste ich Sätze wiederholen, manchmal durch Aufregung, manchmal durch schlechte Aussprache“, sagt Renate Ulken, doch sie war mit sehr viel Leidenschaft dabei. Es ging nämlich um die Vertonung eines Erbes. Der Nachlass ihres verstorbenen Vaters Renke Ulken. Zahlreiche plattdeutsche Gedichte hat der ehemalige Lehrer zu Papier gebracht. Zusammen mit ihren drei Schwestern Antje Ulken, Heimke Mehrtens und Meike Janßen hat Renate Ulken jetzt insgesamt acht plattdeutsche Gedichte ihres Vaters aufgenommen und auf die sprichwörtliche „Platte“ gebannt.
Es sind die „Geschichten ut Feld un Busch“, die ihren Vater in Westerstede durch den plattdeutschen Kalender berühmt machen. Bunt gemischt sind Renken Ulkens Gedichte, doch sie alle spielen in der Natur. „Ich kann mich noch gut an unsere gemeinsamen Spaziergänge barfuß durch den Wald erinnern“, sagt die jüngste Tochter Heimke Mehrtens. Der Todestag ihres Vaters jährt sich am 10. März dieses Jahres zum 30. Mal. Im Alter von 57 Jahren verstarb Renke Ulken während einer plattdeutschen Lesung. „Plattdeutsch war seine Passion. Er hat es geliebt diese Gedichte zu verfassen und sie mit seinen anderen Leidenschaften, der Natur und der Jagd, zu verbinden“, sagt seine Tochter Meike Janßen. Und die Liebe seiner Gedichte wollen die Frauen jetzt teilen.
Die Idee zu dem Projekt kam den Schwestern im Sommer vorigen Jahres. Bei einem Familientreffen, nur Renate Ulken wohnt heute noch in Westerstede, sprachen die Frauen über die Gedichte des Vaters. „Gegenseitig haben wir und sie Geschichte vorgelesen und wieder einmal gemerkt, wie schön sie sind. Doch für ältere Leute wird das Lesen ja immer schwieriger. Wir waren uns einig: Eine Aufnahme musste her“, sagte Antje Ulken. Doch Heimke Mehrtens und Maike Janßen dachten dabei auch an ihre Kinder: „Sie haben ihren Opa ja gar nicht kennengelernt. Mit den Gedichten können sie wenigstens eine kleine Brücke zu ihrem Großvater bauen“, freut sich Maike Janßen.
So ging es Anfang September ins Tonstudio. Schnell merkten die Frauen, dass Lesen nicht gleich Lesen ist. „Die ersten Aufnahmen haben sich schrecklich angehört. Mit viel Übung hat es dann aber doch geklappt“, sagt Renate Ulken mit einem Schmunzeln. Auch für das Auge ist etwas dabei: Das Layout der CD besteht aus alten Radierungen, die Renke Ulken gezeichnet hat – natürlich Naturmotive.
Mit acht Gedichten, jede liest zwei, haben die Frauen bis jetzt aber nur einen Bruchteil der Werke ihres Vaters aufgenommen. Doch die vier Damen sind sich einig: „Wenn das Interesse entsprechend groß ist, machen wir gerne noch mehr Aufnahmen.“
