Friesoythe - „Das ist nicht gottesfürchtig, von mir ein Bild zu malen.“ Das soll Theodor Caspar A.J. Wreesmann – der „Seher“ von Friesoythe – gesagt haben, wenn man ihn zeichnen wollte. Einem Künstler gelang es dennoch, den damaligen Friesoyther Stadtschreiber zu porträtieren. Es war August Kathe, der von 1929 bis 1945 in Thüle als Lehrer tätig war. Sein Sohn Ludger Kathe aus Erkerode hat einen Bericht in der NWZ  am 27. September 2012 zum Anlass genommen, um die Entstehungsgeschichte rund um das einzige Wreesmann-Original zu erzählen.

Seinen Ausführungen nach lernten sich Kathe und Wreesmann 1930 kennen. Wegen der „markanten Erscheinung“ habe der Thüler Lehrer den Stadtschreiber zu einem Porträt überreden wollen. Gleich mehrmals habe Wreesmann, der auch als „Vierfuß“ bekannt war und um den sich viele Mythen ranken, diese Bitte abgelehnt. „Schließlich konnte mein Vater ihn 1931 mit der Begründung überzeugen, das Bild werde in einer Missionszeitschrift erscheinen und helfe somit dem Missionsauftrag der Kirche“, erzählt Ludger Kathe. Das stimmte sogar. Das Bild erschien in der Januarausgabe 1932 der Zeitschrift „Stadt Gottes“.

Kathe berichtet weiter: Die notwendigen Sitzungen bei dem Künstler habe Wreesmann geduldig ertragen, „auch wenn er eine innere Unruhe nicht verbergen konnte oder wollte“. Die Kohlezeichnung zeigt Stadtschreiber Wreesmann im Alter von 76 Jahren.

Es sollte das einzige Bild bleiben, bei dem der „Seher“ Modell gesessen hat. In der Folge entstanden zwar weitere Porträts von Wreesmann, doch diese, so vermutet Ludger Kathe, basieren möglicherweise alle auf dem 1932 veröffentlichten Bild in der Missionszeitschrift. So zeigt beispielsweise ein Gemälde des Künstlers Göken den Stadtschreiber in etwas abgeänderter Form mit Feder hinter dem Ohr. Vermerkt ist auf dem Bild: cop. 1932. Das bedeutet, dass Göken das Originalbild von Kathe als Vorlage nutzte.

Im Jahr 2009 hatte sich Familie Kathe dazu entschlossen, dass Bild des Stadtschreibers Wreesmann der Stadt Friesoythe zu überlassen.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)