Dötlingen - „Neema Lalela“ heißt so viel wie „gnädig hinhören“ und ist zugleich der Namensgeber für den „Freundeskreis Neema Lalela e.V.“. Was dahintersteckt, haben am Samstagabend in der St. Firminus-Kirche in Dötlingen rund 20 Zuhörer von Pastor Jochen Volker erfahren. Er war mit seinem Sohn Jonathan aus Südafrika erstmals nach zehn Jahren wieder nach Deutschland gekommen.
Der Kontakt kam über Isabel Büdeker zustande. Sie leistete einen freiwilligen sozialen Einsatz als FSJlerin in der West Rand Lutheran Community Church (WRLCC) in Südafrika ab. Die 21-Jährige aus Dötlingen lebte und arbeitete 2015 für ein Jahr auf dem Gelände der WRLCC. In einer umgebauten Garage direkt neben dem „Neema Lalela“-Waisenhaus lernte sie die dortigen Sorgen und Nöte kennen und verbrachte viel Zeit mit den Waisenkindern.
Die Zahl der Waisenkinder sei in Südafrika durch Aids enorm angestiegen, schilderte Pastor Volker, der seit 23 Jahren die Kirchengemeinde in einem Vorort von Johannesburg führt. Zwei Millionen Kinder würden ihren Vater nicht kennen, eine Million ihre Mutter nicht und 600 000 stünden ganz ohne Eltern da.
„Heute können wir nach einem langen schwierigen Start mit einem Lehrer und sechs Kindern nunmehr 250 Kinder jeden Freitag mit 70 bis 80 Jugendlichen betreuen“, schilderte der Pastor.
Gleich neben dem Gemeindehaus erhielt die Gemeinde ein Haus geschenkt, in dem inzwischen acht Kinder mit Schwersterfahrungen untergebracht sind. Ein Film zeigte den Alltag von Pflegemutter Thabisile, die mit Andile, Lindiwe, Angel und Georgie die obere Haushälfte bewohnt, während unten Mama Marentina mit Willy, Eddy, Snonhle und Charmaine zu Hause sind.
Büdeker schilderte, wie die Kinder ihr zum großen Vorbild wurden. Der achtjährige Georgie wird das Augenlicht verlieren und lernt deshalb, wie Bücher in Blindenschrift gelesen werden können. Noch imponierender sind aber die Vorgeschichten der Kinder. „Es ist kaum vorstellbar, was diese Kinder in ihren ersten Jahren des Lebens durchgemacht haben.“ Der Film zeigt, wie sie trotzdem voller Energie in jeden neuen Tag starten, um ihr Leben zu meistern.
Pastor Volker, in vierter Generation in Südafrika lebend, nachdem er in Tübingen und Erlangen Theologie studierte und 1994 die Kirchengemeinde umgestaltete, betonte, wie wichtig es sei, diesen Kindern zu helfen. Doch dafür bedarf es Geld. Finanzmittel, die vom Freundeskreis Neema Lalela erbeten werden, um denen zu helfen, die es am nötigsten haben. Isabel Büdeker will in zwei Monaten wieder nach Südafrika fliegen. Das Land, die Probleme und auch die Situation mit Hilfe direkt vor Ort lassen sie nicht mehr los.
