Seefeld - Leonie Lagemann hat einen wichtigen Teil ihrer Kindheit in einem Theatersaal verbracht. Der Saal wird vom Kulturverein L.I.F.T. in dem Dorf Restrup bei Ankum im Kreis Osnabrück betrieben. Ihre Eltern sind in dem Verein aktiv, und deshalb ist Leonie Lagemann mit Kultur auf dem Lande groß geworden. Das macht die 20-Jährige zur perfekten Ergänzung für das Team der Seefelder Mühle.
Und auch für Leonie Lagemann ist die Mühle perfekt, wie sie sagt. Seit dem 1. September verbringt sie hier ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) Kultur. Und es ist fast genau wie in dem alten Theatersaal in Restrup: Sie lernt viele interessante Leute kennen, nimmt persönlich viel mit und hat jede Menge Spaß.
Ein Jahr ohne pauken
Zunächst hatte die Ankumerin überlegt, gleich nach ihrem Abitur ein Studium im Bereich Kunst und Kultur aufzunehmen. Doch dann wurde ihr bewusst, dass es nach all der Paukerei besser sein könnte, ein Jahr lang mal nicht zu pauken. Also bewarb sie sich um ein Freiwilliges Soziales Jahr – als eine von zehn Kandidaten auch bei der Seefelder Mühle.
Als sie zum Vorstellungsgespräch hereinkam, wusste die Mühlen-Geschäftsführerin Julia Vogel gleich: „Das ist sie!“ Denn Leonie bringt nicht nur viele Vorkenntnisse mit, sondern sie ist auch selbstbewusst genug für den Job.
Während Leonie Lagemann in Restrup kellnerte und für Veranstaltungen Stühle aufstellte, hat sie in der Mühle inhaltliche und Verwaltungsaufgaben. In dem überschaubaren Team aus Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen ist sie in alle Aufgaben eingebunden.
Ihre Hauptaufgabe ist aber das neue Stück der Jugendtheatergruppe. Diese Gruppe erfindet sich unter ihrer Leiterin Stefanie Becker gerade neu. Vom bisherigen Team sind nur noch 3 an Bord, eine der 6 neuen ist Leonie Lagemann. Gleichzeitig ist sie Assistentin von Stefanie Becker.
Zwei Aufführungsorte
Mit dem neuen Stück, das noch keinen Titel hat, will die Gruppe weg vom stringenten Theater und die Zuschauer einbeziehen. Die müssen Rätsel lösen oder Dinge finden, damit die Handlung weitergehen kann.
In dem Stück geht es um neueste Technik und um Live-Games; in zwei Seminaren haben sich die Darsteller im Herbst damit vertraut gemacht. Wieder entwickeln sie Stück und Rollen selbst; Premiere ist Ende Juni. Aufführungsorte sind Mühle und Müllerhaus, wo die Szenen zeitversetzt vor kleinem Publikum gespielt werden – eine weitere Herausforderung.
Als eigenes Projekt verfolgt Leonie Lagemann einen Poetry-Slam, das ist ein literarischer Vortragswettstreit mit selbst geschriebenen Texten. Er soll am Freitag, 17. Juli, stattfinden. Das Thema sind „Frauenbilder“. Als Stargast tritt außer Konkurrenz Andy Strauß auf. Der 33-jährige gebürtiger Leeraner ist einer der bekanntesten Poetry-Slammer in Deutschland.
Juli Vogel ist froh, ein junges Mitglied im Team zu haben, das sich mit neuen Medien und Kommunikation im Internet auskennt. Möglich war das nur dank einer Förderung der Niedersachsen-Stiftung in Höhe von 400 Euro monatlich, der Mühlenverein gibt jeweils 50 Euro dazu. Leonie Lagemann wohnt im Müllerhaus.
Am 1. September möchte Julia Vogel die Stelle von Leonie Lagemann gern mit einer neuen FSJlerin besetzen; dafür muss die Geschäftsführerin aber noch einen Sponsor finden. Leonie Lagemann will dann in Hildesheim Kulturwissenschaften studieren – und später gern in einem Kulturzentrum arbeiten.
