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Bären-Triathlon findet doch statt
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Aktualisiert vor 1 Minute.

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Bären-Triathlon findet doch statt

NWZonline.de Nachrichten Kultur

Vom einsamen Dichter im Tor

08.06.2016

Zürich Es ist 40 Jahre her, doch es schmerzt noch immer. Man sollte sich daran erinnern. Jetzt, wo das Ballfieber wegen der EM in Frankreich wieder Rekordwerte erreicht. Die Nacht von Belgrad: Vorsicht, deutsches Team! Im Fußball ist bekanntlich alles möglich, im Guten wie im Bösen. Das zeigt der Zürcher Diogenes-Verlag mit einer Sammlung von „Geschichten und Gedichten rund um den Fußball“ – ein feines Taschenbuch, genau richtig zur Einstimmung.

Von Glücksmomenten ist da die Rede, von unglaublichen Dribblings und Kombinationen. Von Trainern, die wie Theaterregisseure agieren und von Fußballspielern, die Theaterstars gleichen. Und von Tragödien. Jener etwa, die Uli Hoeneß in Belgrad durchlitt – und wohl nie verwinden konnte.

Es war der 20. Juni 1976. Das Finale der EM. Deutschland gegen die Tschechoslowakei. Nach Verlängerung immer noch 2:2. Elfmeterschießen, Deutschland liegt 3:4 zurück. Hoeneß ist an der Reihe. „Ich legte den Ball auf den Punkt – wie in Trance“, schilderte der Mann, der damals als „schnellster lebender Stürmer Europas“ galt. „Ich lief an, ich schoss, ohne auf den Torwart zu blicken“, liest man in seinem selbstironischem Bericht „Der Elfer von Belgrad“.

„Ich schaute dem Ball nach, sah ihn immer höher steigen. Wie eine Weltraumrakete von Cape Kennedy sauste er in Richtung Wolken. Unerreichbar. Da kam kein Torwart mehr ran, niemand konnte ihn halten, so hoch flog der. Nur im Tor war er nicht gelandet, dieser Ball. Es wurde leer um mich.“ Der nächste Elfer der Gegner saß. Das Aus für Deutschlands Europameistertraum 1976.

Bloß schnell weiterblättern. Zu Bertolt Brecht etwa, der „Schalke – Hannover als Kunstereignis des Jahres 1929“ inszenierte und den Fußball allen Ernstes für unterhaltsamer als das Theater erklärte. Nur dass der Text gar nicht von Brecht stammte, sondern wunderbar stilecht von Constantin Seibt in der Rolle Brechts für das „NZZ“-Magazin „Folio“ nachempfunden worden war.

Wir lesen von „Dantes Tragödie“. Jenem Dante Bonfim Costa Santos, der einst Verteidiger beim FC Bayern war und am 8. Juli 2014 in Belo Horizonte mit seiner brasilianischen Nationalelf gegen das deutsche Team antrat. „Wie sehr hat sich der 30-Jährige auf diesen Moment gefreut“, hielten die Autoren Tim Jürgens und Philipp Köster fest.

Und dann? Was für eine rauschende Ballernacht! Müllers Deutschland demontiert Dantes Brasilien mit 7:1. Nie zuvor und bislang nie wieder hat es das bei einer WM gegeben. Ein Glücksgefühl auch noch im Rückblick! Da kann man selbst ohne Bier über eingestreute Regelwerk-Blödeleien wie diese lachen: „Fällt das ganze Spiel kein Tor, steht ein 0:0 bevor.“

Klar, es geht auch anspruchsvoller. Etwa wenn Bernhard Minetti von seiner Freundschaft mit Deutschlands wohl berühmtestem Trainer aller Zeiten berichtet: „Sepp Herberger war mein wichtigster, mein wesentlichster Freund.“ Natürlich durfte Günter Grass nicht fehlen. Sein Beitrag zur Fußballkultur ist sein Mini-Gedicht „Nächtliches Stadion“: „Langsam ging der Fußball am Himmel auf. Nun sah man, dass die Tribüne besetzt war. Einsam stand der Dichter im Tor, doch der Schiedsrichter pfiff: Abseits.“

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