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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Kunst: Vom Jadebusen nach Kassel

31.05.2012

DANGAST Wie ein riesiges Papierschiffchen steht „Das Traumschiff Tante Olga“ auf dem Graf-Bernadotte-Platz in Kassel. Wenn am 9. Juni die 13. Documenta an den Start geht, wird sich wohl kaum jemand daran erinnern, wie das rund drei Meter hohe Kunstwerk von Anatol 1977 in die Stadt kam. Und wenige dürften wissen, dass das Schiff einst tatsächlich das Meer gesehen hat oder zumindest das Watt. Denn entstanden ist es in Dangast am Jadebusen, zu einer Zeit, als die „Freie Akademie Oldenburg“ den Ort mit kreativen Ideen füllte.

Wilde Zeiten

Turbulent ging es rund ums Kurhaus zu, als 1963 der Beuys-Schüler Anatol nach Dangast kam. 1975 stellte er die Jade ins Wasser unterhalb des Kurhauses, später kam der „Phallus“ des Bildhauers Eckart Grenzer dazu. Anlässlich einer Ausstellung im Oldenburger Kunstverein riefen beide die „Freie Akademie“ aus, der sich mehrere Künstler anschlossen, darunter auch der „Kaiser“ Butjatha, der einen Thron aus Holz und Stahl ans Wasser stellte.

Der Bildhauer Grenzer kann sich an die wilden Zeiten in Dangast noch gut erinnern. „Wir konnten uns frei bewegen und entfalten rund ums Kurhaus“, erzählt er. Ohne lange zu fragen, stellten sie ihre Kunstwerke auf. Eine Genehmigung sei aber auch nicht nötig gewesen, da das Grundstück der Familie Tapken, Besitzer des Kurhauses, bis zum Fahrwasser gereicht habe. Den „Phallus“ aufzustellen, „wäre sonst nie möglich gewesen“. Nicht wenige hätten ihn „am liebsten in die Luft gesprengt“. Allerdings gab es dafür auch kein Honorar. Bis heute seien die Arbeiten im Besitz der Künstler.

Schließlich wurde der Leiter der Documenta 6, Manfred Schneckenburger, auf die Akademie aufmerksam. Er präsentierte auch Beuys mit seiner „Honigpumpe“. Im Brief von Anatol erwies er sich als ziemlich weitsichtig und warnte die Mitglieder der Akademie, dass bei einer Platzierung ihrer Arbeiten „unmittelbar vor den Wohnhäusern mit sehr empfindlichen Anrainern“ gerechnet werden müsse.

Davon unbeeindruckt gingen die Planungen in Dangast voran: Anatol baute sein Traumschiff und widmete es der alten Kurhaus-Wirtin „Tante Olga“. Mit einem Schleppkahn wurde es schließlich nach Kassel befördert. „Ohne Probleme“, wie Grenzer erzählt. Nur die Fahrt von Butjatha mit einem Aufsitzrasenmäher zur Documenta ging schief. Aber Grenzer nahm ihn schließlich mit dem Auto mit.

Im Sinne von Beuys

Der 69-Jährige steht heute noch in Kontakt mit dem 81-jährigen Anatol. und besucht ihn manchmal auf der Museumsinsel Hombroich, um über alte Zeiten zu reden. Beide sind, ebenso wie Butja­tha, immer noch künstlerisch tätig. „Irgendwann hat jeder sein eigenes Ding gemacht“, sagt er rückblickend. Die Akademie sei aber nie eine feste Gruppe gewesen. Man habe Ideen vermittelt und die Menschen im Sinne von Beuys zur Kreativität animiert. Wehmütig macht ihn das aber nicht: „Alles hat seine Zeit. Damals war das gerade richtig.“

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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