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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Vom Klemmbrett ins Museum

19.05.2012

OLDENBURG Jahrzehntelang lagen sie „in der Kiste“, mehr als 4000 Ölarbeiten, Aquarelle und Zeichnungen, der komplette Nachlass von Richard tom Dieck. Unbeachtet schon aufgrund der unübersichtlichen Fülle von Kleinst- und Kleinformaten, unbeachtet auch wegen seines zu Lebzeiten wenig bekannten Künstlertums.

Richard tom Dieck (1862– 1943) war zwar aus dem Oldenburger Kulturleben nicht wegzudenken, eine Institution und ein bei Künstlerkollegen geschätzter Ausstellungsmacher, wie man ihn heute nennen würde. Aber als Maler blieb er der Öffentlichkeit verborgen. Seine Bilder wurden fast nie gezeigt, sie trugen weder Titel noch hatten sie einen Preis.

Unendliche Fülle

Das Stadtmuseum hat den 150. Geburtstag des Künstlers am 9. November zum Anlass genommen, diesen Nachlass mit Hilfe von drei Musealog-Kursen in einer seiner größten Ausstellungen auszubreiten: Rund 500 Arbeiten hängen – zum Teil flächendeckend über- und nebeneinander – an den Wänden, im Foyer, im Hüppe-Saal und im ersten Stock. Dazu kommt ein stattlicher Katalog – die erste größere monografische Publikation zu tom Dieck überhaupt.

Die Schau ist zugleich die letzte große Präsentation, die Udo Elerd, stellvertretender Leiter des Stadtmuseums, zu verantworten hat. Der 64-Jährige erfüllt sich damit zugleich eine Art Lebensaufgabe, denn schon vor 28 Jahren hatte der Kunsthistoriker Gerhard Wietek ein Bild von tom Dieck im Empfangszimmer der Francksen-Villa entdeckt und war geradezu euphorisch: „Damit sollten Sie sich mal beschäftigen!“.

Dass die Bilder von tom Dieck – Landschaften in unendlicher Fülle und von bestechender Perfektion – unverkäuflich waren, lag daran, dass der Maler sie nicht für den Markt schuf, dass er von seiner Kunst nicht leben musste. Er war Kustos der großherzoglichen Sammlungen, gehörte zu den Mitbegründern des Oldenburger Künstlerbundes, war im Vorstand des Kunstvereins, organisierte mehr als 100 Ausstellungen, arbeitete als Zeichenlehrer an der Gewerbeschule und betreute den Sammlungsbestand von Theodor Francksen.

In seiner Freizeit aber fuhr er hinaus in die Landschaft, bepackt mit Klemmbrett, Zeichenstift, Pinsel und kleinformatigem Papier, das aufs Fahrrad und unter den Arm passte. Unter freiem Himmel malte er, was er sah. Und nur das: Felder, Wälder, Wolken, keine Menschen, keine Genreszenen und alles ohne religiös-ideologischen Hintersinn. Er habe die Natur mit seinen Augen abgebildet, sagt Elerd, ohne sie zu missbrauchen oder ihr Gewalt anzutun.

Optisches Tagebuch

Das Ergebnis sind meisterhafte Zeichnungen und Aquarelle, die so frisch wirken, als seien sie gerade entstanden. Dabei variiert tom Dieck Stil und Technik von Blatt zu Blatt. Äste, Blätter, knorriges Wurzelwerk, schrundige Baumrinden oder tiefe Ackerfurchen in zahllosen Variationen, mit Datum und Ortsangabe. Ein „optisches Tagebuch“, das chronologisch aufgefächert wird. Genauso variantenreich sind die Ölarbeiten – die Bandbreite reicht von romantisch-realistisch über Jugendstil bis zu spätimpressionistisch.

Um die Fülle zu bewältigen, sind sie nach Motiven sortiert und wurden ganz pragmatisch mit hochwertigen Stecknadeln an die Wand gepinnt – passgenau in dieselben Löcher, die Richard tom Dieck für sein Klemmbrett benötigt hatte. Die einzige Gewalt, die er seiner gemalten Natur antat.

Regina Jerichow
Stellv. Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2061

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