Düngstrup - „So lange es Schönherr in Düngstrup gibt, wird es hier auch Theater geben.“ Dessen ist sich Kurt Hagelmann aus der Ortschaft sicher. Er selber steht seit 1983 auf den Bühnenbrettern, die bekanntlich die Welt bedeuten und hat in 30 Inszenierungen über die Jahre manche Rolle innegehabt.
Davon zeugen die Rollenbücher, die der Düngstruper vor sich auf dem Coachtisch aufgestapelt hat. „Es fehlen mir allerdings einige. Wo sie geblieben sind, weiß ich auch nicht. Eigentlich halte ich auf die Rollenvorlagen ein wachsames Auge“, sagt Hagelmann und blättert in einem der kleinen Wälzer herum.
Wachsames Auge
Als Kurt Hagelmann zusammen mit Bruder Werner das Theaterspielen anfing, folgte er damit einem Aufruf des damaligen Speelbaas Edo Munke (1954-1990). „Der hatte Probleme, die Rollen zu besetzen. Also sprach er verschiedene Düngstruper an. Nein sagen konnte man da eigentlich nicht“, meint Hagelmann. Auch Onkel Fritz Hagelmann hatte schon Theater gespielt.
Und so kam es, wie es kommen musste: Kurt Hagelmann schlüpfte in die erste Rolle. Er spielte einen Knecht in dem Stück „Zwangsinquartierung“ von Franz Arnold. Hagelmann ist dabei Hausknecht auf dem Hof Schwalbe. Der Inhaber schmeißt ihn raus, erhält aber neue Hausbewohner auf Anordnung. Ausgerechnet den nun obdachlosen Hausknecht, der zwangseinquartiert wird.
Er habe viele Rollen gespielt, nur noch nie einen Liebhaber, sagt er. „Eine richtige Liebeszene mit Knutschen und so habe ich auf der Bühne noch nicht gehabt, dafür aber immer Rollen als gewiefter Querdenker“, erklärt der Laiendarsteller. Gern habe er mit dem verstorbenen Heiner Ahlers zusammengespielt. „Das war nicht nur auf der Bühne ein blindes Verstehen“, sagt Hagelmann. Dabei erinnert er sich gern an sein Lieblingsstück „Politik un Führerschien“.
In den ersten Jahren blieben die Aufführungen von der Anzahl sehr überschaubar. „Zweimal wurde das Stück beim Stiftungsfest oder beim Adventskaffee aufgeführt. Das war’s. Heute sieht das ganz anders aus. Die Aufführungen mehren sich.“ Das aktuelle Stück „Dackschoden“ ist mit allen sechs Aufführungen ausverkauft. Vorstellungen stehen am Freitag, 9. Januar, am Sonntag, 11. Januar, am Sonnabend, 17. Januar, und am Sonntag, 18. Januar, an. Ein Indiz dafür, dass die Stückauswahl und die Darstellung für sich spricht.
Aber nicht immer klappt alles wie geplant. „Einmal hatte ich nach der Pause im neuen Akt einen vollkommen falschen Einstieg genommen. Ich habe mich kurzerhand hingestellt und gesagt: Wir fangen noch einmal den Akt an. Das brachte schallendes Gelächter bei den meisten. Einige waren mir aber auch böse“, erklärt Hagelmann. Es handelte sich um das Stück „Penner Paul“, in dem er den Bürgermeister mimte.
„Fast alle Theaterstücke haben wir auf Video. Meine Kinder Dennis, Maren und Kim-Maria sind nicht nur die größten Fans, sondern haben immer die Kamera mitlaufen lassen. Leider fehlen aber vier Aufführungen. In denen habe ich nicht mitgespielt, weil entweder Nachwuchs kam oder das Haus gebaut wurde“, erzählt Hagelmann. Dabei zeigt er auf eine fast gefüllte DIN-A4-Seite mit den Stücken, in denen er mitwirkte. Von 1984 bis 2014/2015 ist die Liste fast lückenlos.
Kamera mit dabei
Angesprochen auf den Zeitaufwand, erklärt Hagelmann, dass dieser nicht unerheblich sei. Speelbaas Uwe Meyenburg wählt ein Stück aus. Geprobt wird ab Mitte September zweimal in der Woche. „Jeder hat sein Rollenbuch. Ich lerne immer nach der Arbeit beim Spaziergang mit dem Hund. Das geht am besten.“
Wer Kurt Hagelmann kennt, der weiß, dass er ganz nebenbei auch noch Ortsbrandmeister der Feuerwehr Düngstrup ist. „Über die Wintermonate bleibt da nicht mehr viel Zeit….“
