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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Vom Leben mit süßen Lügen

15.09.2015

Oldenburg In unserem Leben wird viel gelogen. Täglich, manchmal ein Leben lang. Sie sind die Ausnahme? Sie sagen immer die Wahrheit? Sie sagen jetzt entschieden: Ja? Das ist schon die erste Lüge.

Giorgi und Ngudu machen es von vornherein in dem Spielfilm „God Of Happiness“ anders. Sie leben mit der Lüge. Geschäftlich sind sie ein Paar. Giorgi aus Georgien ist der Zuhälter des Afrikaners Ngudu. Er vermittelt den strammen Kerl an feine Damen oder solvente Herren und kassiert als Schlepper kräftig mit.

INTERAKTIVE KARTE: Der Fahrplan fürs Oldenburger Filmfest

Aber eigentlich fühlt sich Giorgi, der ein bisschen in Blick und Gestik an Woody Allen erinnert, als Schauspieler und großer Regisseur. Freilich: Er ist ein Versager. Am Set eines Spielfilm über Nazis und Partisanen – mehrmals als Film im Film in Schwarzweiß-Szenen eingeblendet – darf er lediglich den hinterletzten Partisanen spielen. Einen Komparsen, mehr nicht.

An diesem Mittwoch Eröffnung

Das Filmfest Oldenburg läuft bis zum 20. September. Es eröffnet an diesem Mittwoch um 19 Uhr mit einer Gala in der kleinen EWE-Arena.

„God Of Happiness“ wird am Donnerstag um 19 Uhr im EWE-Forum und am Sonntag um 16.30 Uhr in der Exerzierhalle gezeigt.

www.filmfest-oldenburg.de

Das alles könnte in der verschlafenen schwäbischen Metropole Stuttgart so weiterlaufen, wenn sich nicht Giorgis Tochter angesagt hätte, die er seit 10 Jahren nicht gesehen hat. Nun muss eine heile Welt vorgelogen werden. Aber woher statt der Schrotthütte am Stadtrand eine Villa, woher eine Gattin und woher eine Karriere nehmen, die man doch in Briefen vorgaukelte?

„God Of Happiness“, gedreht von dem Georgier Dito Tsintsadze, erzählt mit wunderbar ruhiger Kamera eine schön melancholische Geschichte über Schein und Sein und das süße Genießen von Lügen. Der Gott des Glücks ist übrigens längst nicht mehr da. Giorgi hat die Holzfigur des Afrikaners verhökert, so bleiben dem armen Ngudu nur wenige archaische Riten, die mit Füßestampfen und fernem Singsang vertuschen sollen, wie kaputt Ngudus deutsches Leben ist.

Im Scheitern ist Ngudu nicht allein: Alle sind in diesem Film irgendwie verletzt, innerlich oder äußerlich: der arme Giorgi, der von seinen Kunden geschundene Ngudu, die erfolglose Tochter Giorgis, die gemietete Ex-Frau, die ihr Holzbein sauber vorm Schlafen auf den Nachttisch legt.

Ein schön schräger, schwarzhumoriger Film mit Dialogen voller Ironie, Lebensklugheit und natürlich der täglichen Lüge. Oder sagen wir lieber Illusion, das klingt angenehmer. Überdies eine französisch-deutsch-georgische Coproduktion mit wunderbaren Schauspielern, darunter Lasha Bakradze als Giorgi, Elie James Blezes als Ngudu und einer sehenswerten Nadeshda Brennicke als ausgeliehener Ehefrau.

Wenn das Wort Multikulti einen Sinn haben kann, dann bei dieser Besetzung.

Dr. Reinhard Tschapke
Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2060

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