Jever - Mit dem Werkstattkonzert „Musik über den Gräbern“ in der Stadtkirche Jever hat der Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven seine Veranstaltungsreihe „Erinnerungskultur“ abgeschlossen.

Unter Leitung von Kreiskantor Klaus Wedel sang Bassbariton Dominik Wörner, begleitet von einem Ensemble auf historischen Instrumenten und einem Projektchor Die Bachkantaten „Kreuzstabkantate“, „Ich habe genug“ und „Der Friede sei mit dir“.

Dr. Jochen Arnold, Kirchenmusiker und Direktor des Michaelisklosters Hildesheim, hatte zuvor anhand von Musikbeispielen in die Welt der Kantaten von Johann Sebastian Bach eingeführt. So habe die geistliche Kantate mit ihren Teilen Aria, Choral und Rezitativ ab 1711 einen Siegeszug durch die protestantischen Länder Deutschlands angetreten, nachdem sie als vertonte Dichtung zuvor abgelehnt worden sei. „Bach schrieb ab 1723 für jeden Sonntag eine Kantate“, berichtete Arnold. Ihren festen Platz im Gottesdienst habe die Kantate seitdem als Glaubensbekenntnis, als Predigt vor der Predigt oder als Klage-, Dank- oder Lobgebet.

Pastor Holger Harrack erläuterte das Motto „Musik über den Gräbern“: Musik und Lied spreche die Trauernden noch immer besonders an, der Inhalt der Bach-Kantaten, die von Segen, Gnade und Vollendung handeln, hebe die Einzelschicksale der Verstorbenen auf und stelle sie in den Zusammenhang der Hoffnung auf Auferstehung.

Allerdings, so korrigierte Kirchenmusiker Arnold den Titel des Konzerts: Bachs Kantaten sind keine Trauermusik, denn dafür hat er seine Motetten geschrieben.