• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur

Vom Zauber der schönen neuen Welt

06.06.2015

Oldenburg Lapidar überschreibt der Fotograf Wolfgang Nebel seine Ausstellung „in/or/out“. Statt der Wortabstände werden Zeichen gesetzt. Der Computer verwandelt das Schriftbild.

Die Wahrnehmung der Veränderung steht im Mittelpunkt der fotografischen Arbeit von Nebel, der Professor für Technische Informatik an der Uni Oldenburg ist und Vorstandsvorsitzender des Informatik-Institutes Offis. Das Fotografieren hat sein Leben begleitet, was nicht ungewöhnlich ist. Aber Nebel hat sich für technische Neuerungen interessiert und insbesondere für das, was unter den Begriffen Medien und Kommunikation versammelt wird.

Das iPhone, das erst wenige Jahre alt ist, von dem aber schon acht Generationen entwickelt worden sind, wurde zum bevorzugten Instrument, die Veränderungen in der Industrie- und Konsumwelt aufzunehmen. Über das Sehen und Wahrnehmen zum Bewusstwerden zu gelangen, wie rasant sich unsere technisierte Welt verändert, ist wesentliches Motiv der Fotografien von Nebel. Daran schließt sich dann die Frage an, wie diese Veränderungen auf die Menschen wirken, welche neuen Werte ihr Leben prägen.

Die iPhone-Fotos von Nebel sind alle noch mit einem Stadtnamen versehen, der sich aber in der Arbeit weniger auf etwas Charakteristisches der Stadt bezieht als auf eine biografische Zuordnung mit der entsprechenden Jahreszahl.

Der Inhalt der Fotografie, ob Ausblick aus einem Warteraum auf dem Grazer Flugplatz oder Schiffsausblick auf Anleger vor Helgoland, lässt das Spezifische des Ortes schrumpfen, das Allgemeine, das auf allen Flug- oder Schiffshäfen gleich ist, wachsen. Unsere Mobilität lässt Erinnerung nur in kurzen Augenblicken zu und zerreißt größere Zusammenhänge.

Nebels Fotografien von Innenräumen moderner Einkaufspaläste machen das deutlich, auch wenn aus der Summe von Transparenz und Spiegelungen ein örtlicher Standpunkt zu ermitteln ist.

Nebel fixiert zudem durch Stadtnamen und Jahreszahl, dass die verwirrende Fülle von Licht, Glas, Reflexen und Waren dem heutigen Menschen den Boden unter den Füssen wegzieht. Er wird ortlos.

Die Augen gleiten immer weiter. Sie fallen auf andere Menschen in den Fotografien, aber diese bleiben anonym, beliebig und übertragen ihre Bedeutungslosigkeit auf den Betrachter. Die Augen fallen auf die Angebote und lassen uns kalt. Über Treppen und Geländer gleitet der Blick auf die Weltstadt-Architektur, die sich einst auf das Bauhaus berufen hat, heute aber gesichtslose Fassaden bietet.

Nebel ist durchaus zu Recht fasziniert von den technischen Möglichkeiten und Qualitäten der iPhone-Fotografie, so dass er die Nachbearbeitung am Computer auf minimale Korrekturen begrenzen kann.

Die schöne neue Welt, die seine Fotografien spiegeln, produziert schöne neue Dinge, die jede Tätigkeit nicht nur vereinfachen, auch angenehm machen. Die Ausbreitung ihres Zaubers verändert dann die Welt, wenigstens soweit Konsum und Industrie reichen.

Weitere Nachrichten:

Uni Oldenburg | Offis | Bauhaus

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.