Oldenburg - Mit Speck fängt man bekanntlich Mäuse, und mit Stars ködert man das Publikum. Elena Nogaeva kennt das Musikgeschäft bis in die Nischen. Das garantiert ihr den Erfolg der Oldenburger Promenade, jenes Kammermusikfestes, das die Pianistin zwischen dem 1. und 9. Juni zum 17. Mal in Oldenburg ausrichtet. Aber es ist nicht das ganze Geheimnis, das diesen Wandelkonzerten zwischen Schloss und Theater einen eigenen Charakter gibt.

Die Künstlerin und Managerin hat eine überzeugende Mischung für ihr Festival gefunden. Sie präsentiert zum einen Stars, die nur ein- oder zweimal als Magneten Zugkraft ausüben. Da reicht die Liste seit 1997 von Sabine Meyer (Klarinette), Krzysztof Penderecki (Komponist), Xavier de Maistre (Harfe) oder Gudrun Landgrebe (Rezitation) über Sebastian Knauer (Klavier), Christoph Prégardien, Andreas Scholl oder Etta Scollo (Gesang) bis zu den Geigern Viktor Tretjakov und Dmitry Sitkovetski und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Ein illustrer Kreis – und unvollständig.

Doch wichtig sind auch jene namhaften Virtuosen, die immer wieder kommen – und jene, bei denen die Intendantin ein Gespür dafür hat, dass sie noch Berühmtheiten werden. Jozsef Lendvay, der Zigeunergeiger, zählt auch 2013 zu den Beständigen. Oder die Cellistin Harriet Krijgh. Die Holländerin ist eine, die im Juni besondere Neugier auf die Promenade weckt.

Lendvay (38) greift mit seinem farbenreichen Spiel über das landläufige Repertoire hinaus. Aber er ist in ihm ebenso zu Hause wie in hoch virtuoser Zigeunermusik. Zusammen mit Nogaeva am Klavier kommt er diesmal klassisch mit Brahms und Bartok.

Krijgh weist eine beachtliche Liste von Wettbewerbserfolgen vor. Sie könnte eine ganz Große werden; unlängst ist sie schon mit dem Concertgebouw-Orchester Amsterdam aufgetreten. Bei aller Vielseitigkeit schätzt die junge Cellistin vor allem Bach.

Es wird in der ersten Juni-Woche jede Menge weitere überraschende Fundstücke geben. Das umfängliche Programm bietet vier Theaterpromenaden und acht Prinzenpromenaden am 7. und 8. Juni. Es schillert zwischen Klassik, Jazz, Schauspiel, Oper, Kammermusik, Chorwerken, Improvisationen und Soloauftritten bunt und erfrischend wie eh und je.

Drei Konzerte von jeweils 45 Minuten Dauer bilden eine Promenade. In den Pausen wandeln die Besucher zwischen Theater, verschiedenen Schlosssälen, dem Schlosshof und dem Prinzenpalais. Vorgeschaltet ist am 1. Juni die traditionelle Jazznacht, diesmal im „Park der Gärten“ in Bad Zwischenahn. Zur offiziellen Eröffnung in der Lambertikirche am 2. Juni kommt das Streicherensemble „Zürcher Solisten“.

Wenn man es genau betrachtet: Das Festival als solches ist sein eigener Star.