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Ausstellung Von alten Drucken fasziniert

Simone Wiegand

Oldenburg - Viele Einbände sind betörend schön. „Dieser zum Beispiel ist aus Murano­glas“, sagt Onno Feenders (73) und wiegt das schwere Buch mit sizilianischen Liebesgedichten sanft in seinen Händen. Vorsichtig legt er es zurück in die silbrig glänzende Metallkassette und greift zum nächsten. Der Einband besteht aus leichtem Holzfurnier, wie man es bei Armaturen teurer Autos verwendet. Feenders gerät jetzt richtig ins Schwärmen, streicht zärtlich über rot-goldene Ledereinbände, edles Pergament und federleichtes Seidengewebe.

„Der neue Orpheus“, „Die Odyssee“, „Die Eklogen Vergils“ – es sind einfach zu viele Bücher, um jedes einzelne hervorzuheben und zu liebkosen – insgesamt 120 an der Zahl. Und es sind nicht irgendwelche Bücher, die die Landesbibliothek Oldenburg ab nächsten Donnerstag auf zwei Etagen zeigt. Bei allen handelt es sich um Pressendrucke, auch Künstlerbücher genannt. Sie werden von Hand gesetzt und in kleiner Auflage gedruckt. Die Typographie (meist Bleisatz) ist eigens angefertigt, Illustrationen und Einbände sind aufwendig gearbeitet, das Papier oft handgeschöpft und mit Wasserzeichen. Ausgehend von einer Entwicklung in England entstanden ab 1907 erste Pressendrucke in Deutschland. Noch heute fertigen einige Künstler Pressendrucke an, die sie an Liebhaber wie Onno Feenders verkaufen.

Eine Liebesgeschichte

„100 Jahre deutsche Pressendrucke“ lassen sich schwerlich kurz beschreiben. Und schon gar nicht alle „Meisterwerke der Typographie, Illustration und Einbandkunst aus der Sammlung Feenders“, wie der Titel der Ausstellung verrät. Aber man kann die Liebesgeschichte erzählen, die hinter der Privatsammlung von Onno und Christa Feenders aus Emden steckt. Denn sie macht die Ausstellung zu einer „sehr besonderen und hochkarätigen, weil die Sammlung mit großer Kennerschaft zusammengetragen wurde“, betont Bibliotheksdirektorin Corinna Roeder.

Sie begann, als Feenders als junger Mann in Mainz Medizin studierte und seine freien Stunden im Gutenberg-Museum verbrachte. „Das hat mich fasziniert“, erinnert sich Dr. Feenders. 1970 passierten zwei Dinge gleichzeitig. Von seinem Schwiegervater, einem Buchhändler, erbte er die Mitgliedschaft in der Gesellschaft der Bibliophilen. Zur selben Zeit entdeckte Feenders in einem Antiquariat seine ersten beiden Sammlerstücke. Sie stammten aus der Bremer Presse, „der Königin der Pressen“, wie er liebevoll erklärt.

Fortan beschäftige sich der Bücherliebhaber neben seiner Profession als Kinderarzt verstärkt „mit Dingen, die nicht laut waren“, sagt der 73-Jährige schmunzelnd. Dass Bibliophile wie er oft als verschroben gelten, wischt er sympathisch mit einem Lächeln beiseite und freut sich: „Bei mir war es eher eine Jugendsünde als Alterstorheit.“

Namhafte Buchbinder

Wie viele Pressendrucke Feenders in seiner Privatbibliothek in Emden besitzt, weiß er nicht. „Vielleicht 800? Ich habe sie nie gezählt“, überlegt Feenders. Und wie tief griff er für ein Exemplar schon in die Tasche? „Ein Buch ist dann besonders teuer, wenn es von einem unserer namhaften Buchbinder eingefasst wurde“, sagt der Sammler ausweichend: „Das kostet dann schon mal über 10 000 Euro.“

Feenders weiß von einem Seidenatlas für 500 000 Euro. „Man kann nicht alles haben“, seufzt er, „aber es ist eine Freude, solche Bücher einmal gesehen zu haben.“

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