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Ausbildung Von der Arztpraxis aufs Tanzparkett

Jens Milde

Nordenham - Chaline Baschin hat schon eine Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten erfolgreich absolviert und eine als Hotelfachfrau angefangen. Die Ausbildung, die sie zurzeit macht, sei im Vergleich dazu „hammerhart“, sagt die 23-Jährige. Die Nordenhamerin will Tanzlehrerin werden. Sie ist im zweiten Lehrjahr bei Roberto Hoffmann, der an der Bahnhofstraße eine Tanzschule betreibt.

„Ich will mein Hobby zum Beruf machen“, sagt Chaline Baschin, die im Alter von 14 Jahren ihren Grundkurs absolvierte. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, dass Tanzen zu einem so wichtigen Lebensinhalt werden könnte. Denn nach dem Grundkurs war erstmal Schluss. Die Leidenschaft für das Tanzen packte erst beim zweiten Anlauf so richtig zu. Chaline Baschin wiederholte den Grundkurs und machte weiter: Bronze, Silber, Gold. Inzwischen hat sie das Deutsche Tanzabzeichen Super Goldstar Rang drei erreicht. Und nebenbei hat sie bei Roberto Hoffmann immer wieder ausgeholfen.

Im September 2013 hat Chaline Baschin ihre dreijährige Ausbildung nach den Richtlinien des Allgemeinden Deutschen Tanzverbands begonnen. Ihre Arbeitstage beginnen mittags und enden abends selten vor 22 Uhr. Einmal in der Woche arbeitet Chaline Baschin in einer Arztpraxis, um sich zusätzlich etwas zu verdienen. Außerdem muss sie einmal in der Woche zur Berufsschule nach Hannover fahren.

Kein Zuckerschlecken

Die Theorie ist alles andere als Zuckerschlecken. Im ersten Lehrjahr stand Musiktheorie im Mittelpunkt. Takt, Rhythmus, Instrumente: Wie sind Musikstücke aufgebaut. Was ist der Unterschied zwischen Cha Cha und Discofox? Wie ist Hip-Hop entstanden? Auch die Bewegungslehre spielt eine wichtige Rolle. Welche Drehungen sind bei welcher Körperhaltung überhaupt möglich?

Die fünf Olympischen Ringe der Musik sind im Welttanzverband Walzer, Disco, Swing, Latino und Tango. Diesen Musikrichtungen sind unzählige verschiedene Tänze zugeordnet. Im zweiten und im dritten Lehrjahr geht es immer tiefer in die Details. Arm- und Kopfpositionen, Drehwinkel und vieles mehr. Selbst die Mathematik spielt auf dem Tanzparkett eine wichtige Rolle – zum Beispiel bei bestimmten Positionen im Raum, bei Taktunterteilungen. Roberto Hoffmann weiß aus Erfahrung, dass die meisten Menschen einen emotionalen Zugang zu Musik und Tanz haben. Und Chaline Baschin weiß, dass sie da die große Ausnahme ist: Ihr helfe vielmehr ihr mathematisches Verständnis, um die Tänze zu begreifen, sagt sie.

Robert Hoffmann, der regelmäßig junge Leute zu Tanzlehrern ausbildet, bezeichnet die Psychologie als das A und O im Beruf. „Man muss mit Menschen umgehen können und darf nicht schüchtern sein,“ sagt er. „Wichtig ist die Leidenschaft, Menschen etwas beizubringen.“ Seine 23-jährige Nachwuchskraft sieht das genauso: „Es ist schön, wenn die Tanzschüler mit einem Lächeln nach Hause gehen.“ Einfühlungsvermögen ist gefragt. Roberto Hoffmann: „Viele Erwachsene sind noch kaputt von der Arbeit. Sie müssen erst einmal geerdet werden, wenn sie in den Unterricht kommen.“

Chaline Baschin liebt diesen direkten Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen. Im zweiten Lehrjahr leitet sie eine Fortgeschrittenen-Kursus. Sie leitet eine Hip-Hop-Gruppe und bietet Bokwa an, das ist ein neuer Fitnesstrend aus den USA, eine Mischung aus Tanzen und Boxen. Ihre Lehrprobe hat sie mit der Note 1,5 absolviert. Auch ihre Zwischenprüfung ist gut gelaufen.

Große Bandbreite

Der 23-Jährigen gefällt an ihrem Beruf die große Bandbreite der Tätigkeiten. Mit dem Tanzunterricht ist es nicht getan. Ein Tanzlehrer muss Veranstaltungen planen, Flyer erstellen, Musik zusammenschneiden, bei den aktuellen Charts auf dem Laufenden sein, Choreographien entwickeln und vieles mehr. Er muss außerdem betriebswirtschaftlich handeln können. „Ziel der Ausbildung ist die Selbstständigkeit“, sagt Roberto Hoffmann. Dieses Ziel strebt Chaline Baschin nicht an. Sie möchte in der Tanzschule Hoffmann bleiben. „Die Chancen dafür stehen nicht schlecht“, sagt ihr Chef.

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