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NWZonline.de Nachrichten Kultur

MUSIK: Von der Faszination des Fremdartigen

07.01.2005

BREMEN BREMEN - Man kann darüber streiten, ob dicht benachbarte Opernhäuser ihren Spielplan miteinander abstimmen sollten oder nicht. So gibt es sowohl in Bremen als auch in Bremerhaven in dieser Saison den „Freischütz“, und bei Mozarts „Entführung aus dem Serail“ hat man die Wahl zwischen Oldenburg und Bremen, die das Werk im Abstand von zwei Monaten herausbrachten.

Aber die interpretatorischen Ansätze der beiden Aufführungen sind so unterschiedlich, dass der Vergleich reizt. Allein die Aufführungsdauer: In Oldenburg dauert die „Entführung“ fast doppelt (!) so lange wie in Bremen. Das liegt vor allem daran, dass in Bremen die Dialoge beinahe vollständig gestrichen wurden, während der Regisseur Anthony Pilavachi in Oldenburg gerade darauf großen Wert legt.

So spult sich das psychologisch sehr austarierte Liebes- und Verständnis-Drama als Rückblick der alt gewordenen Konstanze über drei Stunden ab. Konstanzes Zuneigung für den Bassa wird nicht nur beim spontanen Kuss, den sie ihm gibt, sehr deutlich: Pilavachi operiert mit vielen Details – Blicke und Gesten sind gut herausgearbeitet. Auch Osmin ist ein vielschichtiger Charakter, der nicht nur Triumph bei der Ergreifung der Flüchtlinge empfindet. Bei aller Auslotung der Beziehungen spielt auch der Humor eine Rolle. Und großzügig und prachtvoll ist das Bühnenbild von Tatjana Ivschina.

Ganz anders die Szene in Bremen, wo die kahle Bühne nur mit einem riesigen Teppich ausgelegt ist. Dabei hätte der Ansatz von Regisseur Philipp Himmelmann, das Werk ganz aus dem orientalischen Kolorit herauszulösen und sich auf die Darstellung von Gefühlen zu beschränken, dennoch zu einem spannenden Ergebnis führen können.

Die Faszination des Fremdartigen, die eine als sicher geglaubte Liebesempfindung in Frage oder sogar auf den Kopf stellen kann, ist als Thema sicher in der „Entführung aus dem Serail“ enthalten, leider kann Himmelmann dies nicht in eine spannende Personenführung umsetzen. Stattdessen wird brutal gerauft, geschubst und gefallen – und ein Revolver geht wie ein Wanderpokal von Hand zu Hand.

Und musikalisch? Oldenburg hat die insgesamt stimmigere Besetzung. Vor allem Daniel Behle ist ein ausgesprochen guter Belmonte – mit schönem Timbre und in der Höhe sehr sicherem Tenor. Und Fritz Vitu ist als Osmin eine sichere Bank. Aber auch Bremen hat mit Jennifer Bird als Konstanze und Markus Schäfer als Belmonte gute Leistungen aufzubieten.

In Oldenburg schlägt Alexander Rumpf oft langsame Tempi an, betont aber die dramatischen Elemente. Schon die akzentuierte Ouvertüre hat mehr von „Don Giovanni“ als von einem deutschen Singspiel. Lawrence Renes und die Bremer Philharmoniker musizieren hingegen mit zügigeren Tempi und stringent. Mitunter klingt das kantig und hart im historischen Klang, was der Musik aber gut bekommt.

Insgesamt wirkt die Oldenburger Inszenierung fesselnder.

Die nächste Aufführung der „Entführung aus dem Serail“ in Oldenburg findet heute um 19.30 Uhr statt (Karten: 0441/222 51 11); in Bremen am 28. Januar um 19.30 Uhr (Karten: 0421/365 33 33).

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