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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Von der gescheiterten Suche nach dem eigenen Ich

27.03.2017

Wilhelmshaven Er ist ein Träumer und Blender, ein Verdränger und Verklärer – oder, wie die anderen sagen, ein Lügner.

Der norwegische Autor Henrik Ibsen hat mit der Figur Peer Gynt eine Ikone des Theaters erschaffen. Die Landesbühne Nord in Wilhelmshaven hat das aufwendige Bühnenstück nun in den Spielplan aufgenommen. Und so viel sei vorweg gesagt: Die Inszenierung von Arne Retzlaff zeigt einmal mehr, wie viel Potenzial in dieser kleinen, aber feinen Bühne am Meer steckt.

Arne Retzlaff hat das Stück gestrafft, sich auf Kernbotschaften konzentriert und die im Original gut 50 Rollen auf neun Schauspieler reduziert. Das wirkt zunächst fragmentarisch, nicht wie ein Drama, sondern wie ein Szenenspiel. Doch im zweiten Teil verdichten sich diese Fragmente zu einem kraftvollen Bild, das Elementares aufgreift: Liebe, Selbstverwirklichung und die Suche nach dem eigenen Ich.

Diese Suche misslingt Peer Gynt, der hoch hinaus will und an sich selbst scheitert. Volker Muthmann – hager, bärtig, zweifelnd – spielt sich in einen Rausch und leistet zweieinhalb Stunden lang Schwerstarbeit. Kongenial Sibylle Hellmann als desillusionierte Mutter Aase. Die dritte Schlüsselrolle spielt Caroline Wybranietz als Solveig, die Lichtgestalt, deren Liebe zu Peer Gynt alles überstrahlt.

Alle anderen Schauspieler kreisen in vielen Rollen um diese drei Fixsterne des Stücks, spielen Trolle, Hasardeure und Irre. Auffallend stark und wandlungsfähig war in der Premiere Svenja Marija Topler.

Die Bühne (Cornelia Just), ein großer Raum in einem heruntergekommenen Haus, bleibt stehen, Szenenwechsel werden von Lichteffekten begleitet. Für wichtige Effekte sorgt auch die Musik: Neben geschickt eingebauten Zitaten aus Edvard Griegs berühmten Peer-Gynt-Suiten erklingt immer wieder der melancholische Walzer aus Dmitri Shostakovichs Jazz-Suite Nr. 2.

Die eindrucksvollste Szene spielt im Irrenhaus, wo Peer Gynt ganz außer sich als „Kaiser der Selbstsucht“ seine Untertanen in den Suizid treibt. Fantasiewelten, sexuelle Eskapaden, Aufstieg und Absturz prägen Peer Gynts Leben. Am Ende steht der „Kaiser“ nackt da – wie eine geschälte Zwiebel, von der nach der letzten Hautschicht kein Kern übrig bleibt.

Was bleibt, ist nur die Liebe von Solveig. Und das ist schließlich auch die bittersüße Selbsterkenntnis: Diese bedingungslose Liebe wies den einzigen Weg zu seinem wahren Ich. Doch Peer Gynt hatte sie verschmäht.


Alle NWZ-Kritiken unter:   www.nwzonline.de/premieren 
Ulrich Schönborn
Chef vom Dienst
Chefredaktion
Tel:
0441 9988 2004

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