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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Von erwachenden Vulkanen und Freiern in Berlin

21.03.2016

Berlin Klaus Hoffmann weiß ja, was so über ihn geschrieben wurde. Er sei der „Botschafter für innere Angelegenheiten“ oder eine „singende Wärmflasche“, so etwas habe man gelesen. Heute störe ihn das nicht mehr, erzählt der Sänger in Berlin kurz vor seinem 65. Geburtstag am Samstag (26. März). „Du kannst ja nicht global eine singende Wärmflasche sein. Das ist ja völlig beknackt.“

Hoffmann gehört zu den deutschen Sängern, die relativ frei von Herz und Schmerz singen. In seinem Büro am Kurfürstendamm, einem mondänen Altbau, hängen Plakate für seine Tourneen und Alben. Gerahmt natürlich. Daneben jede Menge CDs. Hoffmann sitzt auf einem weißen Sofa. Seine Haare fallen in seichte, blonde Wellen.

Diese blonden Locken kennen manche vielleicht noch aus dem Film „Die Neuen Leiden des Jungen W.“ von 1976, in dem Hoffmann die Hauptrolle spielte. Mit Reinhard Mey und anderen zog er in den 1960ern durch West-Berliner Szenekneipen. Mancher Fan sagt, seine Lieder hätten ihm Berlin näher gebracht. Diese Stadt, ohne die Hoffmann nicht sein kann - und an der er doch so leidet.

Heute nimmt er weiter munter Alben auf, mittlerweile sind es gut 40. Geblieben ist die Sehnsucht, in seinen Liedern voller Herzschmerz und Nostalgie. Das alles klingt irgendwie wie eine Mischung zwischen Chanson und Schlager. Manche nennen ihn auch den deutschen Jacques Brel, seine Musik hat Hoffmann oft gesungen.

Man hat den Eindruck, der Berliner kann heute freier Musik machen. Zur Zeit der 68er habe man Lieder nur nach einer Uniform machen dürfen, sagt Hoffmann. Liedermacher ohne so sehr politische Anliegen hätten es damals schwer gehabt. Früher habe es unter deutschen Künstlern auch die Regel gegeben, Sänger dürften nicht pathetisch sein. Dabei sei gerade Brel deswegen für ihn so interessant gewesen, weil er ein Gefühlsäußerer gewesen sei. Oder auch Charles Aznavour, dessen „La Bohème“ eine „absolute Kitschtaste“ sei.

Jeder Rock“n“Roller sei pathetisch, etwa Freddy Mercury oder David Bowie, sagt Hoffmann. Auch Reinhard Mey bekennt sich zu seinen Emotionen - und widmete seinem Freund das Lied „Für Klaus“ zum 60. Geburtstag, den er einen Tag später im Berliner Friedrichstadt-Palast feierte. Sein 65. Geburtstag am Samstag fällt nun etwas ruhiger aus - dabei feiert Hoffmann 40. Bühnenjubiläum.

Im Berliner Renaissance-Theater wird dann sein Film „Die neuen Leiden des jungen W.“ gezeigt. Hoffmann ist ausgebildeter Schauspieler und schreibt auch Bücher, etwa darüber, wie er Ende der 60er mit dem Auto nach Afghanistan gefahren ist (angeblich mit einem ADAC-Schutzbrief). Heute sagt er, er sei nicht mehr so pathetisch wie früher. Für manche klingen seine Lieder aber doch etwas kitschig.

rbb-Moderator Jörg Thadeusz hat in einem Gespräch mit Hoffmann mal gesagt, wenn man seine Lieder höre, könne mancher vielleicht denken, so große Gefühle wie der Hoffmann habe man selbst nicht. In seinen Liedern singt er von wieder erwachenden Vulkanen oder so etwas wie „sie, das ist die schönste Melodie, der Anfang einer Symphonie“. Aber auch Zeilen auf Berlin, etwa: „Verkauf dich nicht, Berlin, jung bist du nicht, du alterst so schnell, buckelst zu sehr, trägst an den Geldern der Freier so schwer.“

Welche Worte sollten wir öfter benutzen? „Na gehen wir mal durchs Konto: Liebe. Herz und Schmerz. Zärtlichkeit“, sagt Hoffmann. Er habe früher eine Phase der inneren Zensur gehabt, da habe er gewusst, mit welchen Wörtern er sich auf ein Minengebiet begebe. Dann habe er das gleich unterhaltsamer rübergebracht. Die Zeiten seien langsam vorbei.

Kritiken liest Hoffmann immer noch, wie er sagt. Gerade erst hat er etwas über sich gelesen, nach einem Auftritt in Mainz. Einen Satz fand Hoffmann gut: „Für die einen Kitsch, für die anderen Kunst - fest steht: es wärmt ungeheuer.“

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