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NWZonline.de Nachrichten Kultur

Premiere: Von formaler Strenge und grellem Comic

03.06.2013

Bremen Es ist gerade mal drei Jahre her, dass Schillers Frühwerk am Goetheplatz auf die Bühne kam, damals freilich in einem höchst gelungenen Update von Volker Lösch, der das Stück dafür gründlich entkernte. Nun also ein neuer Versuch von Hausregisseur Felix Ro­thenhäusler, der sich damit ganz bewusst, und auch selbstbewusst, im Kontext der „Hübner-Gedenkwochen“ am Bremer Theater platziert.

Zadeks „Räuber“ von 1966 war schließlich eine jener Inszenierungen, die den Bremer Stil initiierten und von Bremen aus das Theater revolutionierten. Das wird diesmal sicherlich nicht passieren, was natürlich nicht nur an Rothenhäuslers ambitionierter, aber nur partiell gelungener Inszenierung liegt.

Rothenhäusler hat seinen Schiller genau gelesen und ebenfalls stark reduziert, wenn auch ganz anders als Lösch. Lediglich fünf Personen sind übrig geblieben, Vater Moor und seine zwei Söhne, die umbuhlte Amalia und „der Bastard von einem Edelmann“, Hermann. Sie agieren auf einer leeren Bühne die Grundlinien der Konflikte aus, die sich immer auch durch die Personen selbst ziehen, verstärkt hier noch dadurch, dass Schillers Dialoge über weite Strecken in Monologe gezwängt werden. Eine Herausforderung, die das Ensemble durchaus mit einiger Bravour bewältigt.

Ansonsten hinterlassen diese Räuber einen zwiespältigen Eindruck. Zwar ist die formale Strenge reizvoll und erzeugt immer wieder intensive Theatermomente. Auch die Verweise auf die 66er Räuber in ihrem Pop-Art-Duktus sind sorgfältig gesetzt. Allerdings trägt das alles nicht über zwei Stunden ohne Pause. Womöglich ist die recht ausdrückliche Ausstellung der Schillerschen Redundanzen, die hier noch in einer Art Loop-Technik verdoppelt werden, Teil einer guten Absicht.

Doch ist das Prinzip schnell durchschaut und wirkt schließlich ermüdend, auch wenn irgendwann eine überdrehte Comic-Parade, die geradewegs aus Disneyland zu kommen scheint, und Manga-Comics Karl Moors Gewalterzählungen grell unterbrechen.

Es bleibt nach diesem Abend vor allem die Erkenntnis, auf welch hohem Niveau das Bremer Schauspiel inzwischen agiert. Martin Baum als Vater Moor, Claudius Franz als Scheusal Franz und Robin Sondermann als zerrissener Idealist Karl, Nadine Geyersbach als Amalia und Matthieu Svetchine als Hermann können zwar letztlich die Inszenierung nicht retten. Sie setzen ihr aber immer wieder funkelnde Glanzlichter auf.

Vielen im Publikum war’s allerdings noch vor Ablauf der gut zwei Stunden zu viel, und sie verließen das Theater. Die Verbliebenen spendeten am Ende ungeteilten Applaus für die Schauspieler, während das Regieteam auch mit etlichen Buhs bedacht wurde.

Karten: t  0421/36 53 333

Alle NWZ -Theaterkritiken unter   www.nwzonline.de/premieren 
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