Oldenburg - Dem Besucher kommen die beiden Gesichter bekannt vor, und schnell erstaunt er: Vor ihm hängen Bildnisse von Angela Merkel und Joachim Gauck. Die Malerin Petra Schamberger aus Ihlow hat Mut bewiesen, sich gleich an die schwierigste Aufgabe einer Porträtistin zu wagen, nämlich Köpfe zu malen, die jeder kennt.

Die beiden Politiker sind wiedererkennbar, und das spricht für die Künstlerin. Schon bei den Porträts des Malers Lucien Freund und der Wiener Malerin Maria Lassnig ist das Risiko, sie zu malen, geringer, denn trotz ihrer Berühmtheit sind deren Gesichter relativ unbekannt.

Petra Schamberger malt erst seit wenigen Jahren. Die Oldenburger Künstlerin Doris Garduhn und die Maler Jobst van Berg und Theo Haasche haben sie in die Geheimnisse und Arbeitsweisen insbesondere der Acryl-Malerei eingeführt. Ein großes Gewicht auf das Porträt zu legen, war ihre eigene Entscheidung. Petra Schamberger sah in der Bildnis-Malerei die Chance, dem Menschen, auch dem unbekannten, fremden Menschen näherzukommen, von dem sie nur eine Fotografie besitzt.

Während ihrer Tätigkeit als Zeichnerin von Fundstücken in der Archäologie hatte sie ihre Fähigkeit entdeckt, Gegenstände sachlich genau zu erfassen. Diesen präzisen Umgang mit dem Gegebenen hat sie auf die Bildnismalerei übertragen. Als Mittlerin dienten einerseits fotografische Abbildungen, andererseits Übungen an der Wiedergabe des eigenen Gesichtes.

Die erste Einzelausstellung überhaupt enthält mehrere Selbstporträts, in denen Petra Schamberger nicht nur gestalterisch freier als in anderen Bildnissen gearbeitet und mehr farbige Akzente gesetzt hat wie etwa die Bildergalerie in ihrem Atelier, die in einem Selbstbildnis im Hintergrund zu sehen ist. Auch in der Wiedergabe von Stimmungen ist sie hier experimentierfreudiger gewesen.

In Bildnissen von Fremden wird die innerliche Korrespondenz der Malerin mit der porträtierten Person nachempfindbar. Zuweilen helfen Mützen oder Kappen, um die fröhliche Lockerheit eines jungen Menschen sichtbar zu machen. In einem Fall wird eine Bildhälfte schwarz gehalten, um den düsteren „Blick in die Nacht“ der betreffenden Frau Ausdruck zu geben.

Mit kraftvollen Farbtönen wird den Zügen der Gesichter nachgegangen. Zuweilen erhalten diese Bildnisse expressiven Ausdruck, wenn die Volumina von Wangen und Kinn herausgearbeitet sind und das Lächeln der Person dadurch an Spannung, vielleicht an Hintergründigkeit gewinnt.

Im Prinzip aber bleibt Petra Schamberger gegenüber den porträtierten Menschen distanziert. Ihre sachliche Darstellung verschweigt weder die freudigen noch die trüben Stimmungen, die die zuvor fotografierten Personen zeigen. Aber da die Ursachen der Stimmungen auch der Porträtistin nicht vermittelt worden sind, hält sich die Anteilnahme in Grenzen, und die Malerin kann, um ihre eigenen Worte zu gebrauchen, „neu­tral bleiben“.