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Englische Siedlungen: Bima will 270 Häuser sanieren
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Aktualisiert vor 5 Minuten.

Lindan-Skandal In Oldenburg
Englische Siedlungen: Bima will 270 Häuser sanieren

NWZonline.de Nachrichten Kultur

Von Frivolitäten träumen

02.12.2013

Oldenburg Das Sofa hat im Theater längst ausgedient. Ehe es in der Rumpelkammer der Regie landete, gab das Sitzmöbel über Jahrzehnte das Symbolrequisit für biederes Bürgertum ab. In Oldenburg stellt es K. D. Schmidt wieder auf die Bühne. Der Regisseur platziert es in die Mitte der Neuninszenierung der „Fledermaus“ von Johann Strauß und sitzt darauf wohlig und sicher.

Im Großen Haus ist es ein Dreisitzer. Links hockt Gabriel von Eisenstein, rechts die stickelige Gattin Rosalinde. Zwischen ihnen liegt die Distanz wahrend Eisensteins Sakko. Knapp drei Stunden später kuscheln beide in der Mitte.

Verschlungene Gefühle

Es ist ein Blick von heiterer Tristesse auf den Zustand einer Ehe vor und nach einer verwechslungsreichen Party-Nacht. Auch vernünftig arrangierten Partnern kann eine amouröse und glamouröse Auffrischung auf die Sprünge helfen. Erkenntnis: Wir haben ja doch eine Menge aneinander! Wohl situierte Kleinbürger träumen von Frivolitäten, aber sie schätzen Verlässlichkeit. Rosalinde hat ja „nicht nur aus Spaß geheiratet“.

Schmidt hat nichts aufgestülpt. Der Praktiker weiß, dass er die großen Probleme der Gegenwart nicht mit den Mitteln der Operette beheben kann. Sein Thema ist der zeitlich begrenzte Ehebruch. Ertappte betrogene Betrüger lachen verschämt miteinander und einigen sich auf „unentschieden“ und Fortsetzung. Richtig menschlich.

Der Handlungsfaden führt an zartbitterer Melancholie und Seligkeit entlang. Es ist das Leichte, das so schwer zu machen ist. Hier gelingt es in weiten Teilen. Gelegentlich bekriegen sich Pfiffigkeit und Klamauk. Da erklärt Wärter Frosch (Paraderolle für Henner Momann) sein Gefängnis: Rechts seien die Zellen für die leichteren Schwerverbrecher, „wie Mörder und so was“. Links die für schwerwiegendere Fälle, „wie Oldenburger, die mit dem Rad auf der falschen Seite fahren“.

Die Stärke der Inszenierung ist auch ein bisschen ihre Schwäche. Sie ist entkrampft, aber am Ende auch nicht nachhaltig. Die ausgeleuchtete Gesellschaft kehrt aus der prächtigen Dschungel-Kulisse (Bühne: Alain Rappaport, Kostüme: Britta Leonhardt) in die enge Bürgerstube zurück.

Sie wird die Nacht inmitten der Schlinggewächse und verschlungenen Gefühle vergessen. Dem Publikum kann es bei aller Beifallsfreude ebenso gehen. Vielleicht nimmt es nach Schabernack und Ironie ein Schmunzeln über Selbsterkenntnisse mit.

Wie Kopfschmerz

Musikalisch sprühen die Funken. Das Staatsorchester ist sofort im Bilde. Zwar duldet die in Noten gefasste gute Laune keine Widerrede. Doch Dirigent Paul-Johannes Kirschner entwickelt Zwischentöne, Doppelbödigkeit, kunstvolle Strukturen. Da fügt sich auch das treffend wie Kopfschmerz knirschende Intermezzo im zweiten Akt ein. Gordon Kampe hat die spritzige Einlage eigens für Oldenburg komponiert.

Das Gesangsensemble und der schmissige Chor (Einstudierung: Thomas Bönisch) können Operette. Voran Inga-Britt Andersson mit vollem Sopran als Rosalinde und Monika Reinhard quecksilbrig lebendig und koloratursicher als Adele. Paul Brady gibt den Eisenstein grundsolide, ebenso Johannes Held den Dr. Falke. Daniel Ohlmann bleibt als Alfred etwas gleichförmig.

Benjamin Boresch als Graf Orlofsky sticht mit seinem Countertenor die Spitzentöne pointiert heraus, lässt aber Brüche zur Gesangslinie. Mit klarem Rollenprofil fügen sich Peter Felix Bauer (Frank), Michael Pegher (Dr. Blind) und Anne Fuchs (Ida) ein.

Bis zu nächsten Party!


Alle NWZ -Kritiken unter:   www.nwzonline.de/premieren 
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